Beckenboden nach der Geburt: Was hilft bei Blasenschwäche
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Viele haben während oder nach der Schwangerschaft Probleme mit dem Beckenboden, doch kaum eine Frau spricht darüber. Was hilft bei Blasenschwäche? Tipps und Infos, plus ein Erfahrungsbericht unserer Autorin Laura Ewert.
Beim Niesen gehen ein paar Tropfen Urin ab, Joggen fühlt sich plötzlich unangenehm an oder auf dem Trampolin mit den Kindern merkst du, dass dein Beckenboden nicht mehr so mitmacht wie früher. Beschwerden wie diese können nach Schwangerschaft und Geburt auftreten und du musst dich nicht einfach damit abfinden.
Der Beckenboden wurde während der Schwangerschaft über Monate stärker belastet und verändert sich durch Schwangerschaft und Geburt. Bis er sich erholt hat, braucht es Zeit. Gezieltes Beckenbodentraining kann dabei eine Rolle spielen. Entscheidend ist allerdings nicht, möglichst viele Übungen zu machen. Zunächst solltest du deinen Beckenboden überhaupt richtig wahrnehmen und wissen, wann Beschwerden fachlich abgeklärt werden sollten.
Was passiert mit dem Beckenboden in Schwangerschaft und Geburt?
Der Beckenboden besteht aus mehreren Muskel- und Bindegewebsschichten. Er schließt das Becken nach unten ab und unterstützt unter anderem Blase, Gebärmutter und Darm. Gleichzeitig muss er sich anspannen und wieder entspannen können. Während einer Schwangerschaft verändert sich diese Region erheblich. Das zunehmende Gewicht von Gebärmutter und Baby sowie hormonelle Veränderungen wirken auf Muskeln und Bindegewebe. Bei einer vaginalen Geburt wird der Beckenboden zusätzlich stark gedehnt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass nur Frauen nach einer vaginalen Geburt ihren Beckenboden im Blick haben sollten. Auch nach einem Kaiserschnitt hat der Körper Schwangerschaft und hormonelle Veränderungen durchlaufen.
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Woran erkenne ich einen geschwächten Beckenboden nach der Geburt?
Ein typisches Zeichen ist ungewollter Urinverlust. Passiert das beim Husten, Niesen, Lachen, Springen oder Sport, spricht man von einer Belastungsinkontinenz.
Blasenschwäche ist nach einer Geburt keine Seltenheit. In Studien berichtet ungefähr jede dritte Frau in den ersten drei Monaten nach der Geburt über ungewollten Urinverlust.
Mögliche Beschwerden sind beispielsweise:
- Urinverlust beim Husten, Niesen oder Lachen
- Urinverlust beim Laufen, Springen oder Sport
- Schwierigkeiten, Urin oder Darmwinde sicher zu halten
- ein Druck- oder Fremdkörpergefühl in der Scheide
- das Gefühl, den Beckenboden kaum wahrnehmen oder gezielt anspannen zu können
- Schmerzen oder unangenehme Empfindungen im Beckenbereich
Solche Beschwerden müssen nicht bedeuten, dass etwas dauerhaft geschädigt ist. Sie sind aber auch nichts, was du aus Scham ignorieren solltest.
Ist Blasenschwäche nach der Geburt normal?
Dass unmittelbar nach einer Geburt nicht alles wieder so funktioniert wie vor der Schwangerschaft, ist zunächst nicht ungewöhnlich. Der Körper befindet sich in einer Regenerationsphase. Trotzdem ist Inkontinenz nicht etwas, mit dem Frauen nach einer Geburt dauerhaft leben müssen. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt es sich, Unterstützung zu suchen. Beckenbodentraining gehört zu den etablierten konservativen Behandlungsmöglichkeiten bei Harninkontinenz.
Gerade deshalb ist der Satz „Das ist nach einer Geburt eben so“ keine besonders hilfreiche Antwort.
Wie trainiert man den Beckenboden nach der Geburt?
Bevor du kräftigst, musst du wissen, welchen Muskel du überhaupt ansprechen möchtest. Versuche dir vorzustellen, du möchtest gleichzeitig Urin und Darmwinde zurückhalten. Dabei sollte sich im Inneren eine leichte Spannung aufbauen, die sich nach oben richtet. Anschließend lässt du bewusst wieder locker.
Das klingt einfach. In der Praxis fällt es vielen Frauen schwer, den Beckenboden isoliert anzusteuern. Bauch, Gesäß oder Oberschenkel übernehmen dann einen Teil der Arbeit. Und noch etwas ist wichtig: Ein funktioneller Beckenboden muss nicht nur anspannen können, sondern auch wieder loslassen. Deshalb ist „so fest und so oft wie möglich anspannen“ kein gutes Trainingsprinzip.

Eine einfache Übung für den Anfang
Lege oder setze dich bequem hin und atme ruhig.
Nimm zunächst nur wahr, wie sich Bauch und Beckenboden beim Atmen bewegen. Versuche anschließend beim Ausatmen, den Beckenboden sanft nach innen und oben zu aktivieren. Halte die Spannung nur so lange, wie du ruhig weiteratmen kannst, und löse sie danach vollständig.
Wichtiger als möglichst viele Wiederholungen ist zunächst, dass du die Bewegung kontrolliert wahrnehmen kannst.
Wenn du unsicher bist, ob du die Muskulatur richtig aktivierst, kann eine spezialisierte Physiotherapeutin oder ein spezialisierter Physiotherapeut das überprüfen.
Wie oft sollte ich den Beckenboden trainieren?
Hier würde ich bewusst keinen pauschalen Plan wie „dreimal täglich zehn Wiederholungen“ vorgeben. Die optimale Trainingsdosis hängt unter anderem davon ab, ob du Beschwerden hast, wie gut du deinen Beckenboden bereits ansteuern kannst und was das Ziel des Trainings ist. Ein aktueller Cochrane-Review kommt zu dem Ergebnis, dass verschiedene Trainingsansätze untersucht wurden, die Studien aber noch keine eindeutige Antwort darauf geben, welche Trainingsintensität oder Methode grundsätzlich die beste ist.
Wenn du Beschwerden hast, ist ein individuell angepasstes Programm deshalb sinnvoller als irgendeine Übungsfolge aus dem Internet.
Warum Beckenbodentraining manchmal nicht funktioniert
Du trainierst seit Wochen und merkst trotzdem keine Veränderung? Das bedeutet nicht automatisch, dass du zu wenig trainierst.
Manche Frauen können ihren Beckenboden zunächst nicht gezielt ansteuern. Andere spannen zusätzlich Bauch oder Gesäß an. Wieder andere haben nicht primär einen „zu schwachen“ Beckenboden, sondern Schwierigkeiten mit Koordination oder Entspannung. Genau deshalb kann es sinnvoll sein, die Funktion des Beckenbodens fachlich beurteilen zu lassen, bevor immer intensiver trainiert wird ohne entsprechendes Ergebnis.

Wann ist Physiotherapie für den Beckenboden sinnvoll?
Spezialisierte Beckenbodenphysiotherapie kann besonders hilfreich sein, wenn Beschwerden bestehen oder du deinen Beckenboden nicht richtig wahrnehmen kannst. Dabei kann zunächst untersucht werden, wie gut du die Muskulatur aktivieren und entspannen kannst. Anschließend lässt sich das Training auf deine Situation abstimmen.
Unterstützende Verfahren wie Feedback oder Biofeedback werden ebenfalls eingesetzt. Sie sind aber kein Wundermittel: Eine aktuelle Cochrane-Auswertung fand bei Frauen mit Harninkontinenz kaum bis keinen zusätzlichen Nutzen von Biofeedback gegenüber Beckenbodentraining allein.
Was bringen Vaginalkonen und Beckenbodentrainer?
Beckenbodentrainer gibt es in vielen Varianten: Vaginalkonen beziehungsweise -gewichte, Biofeedback-Geräte, elektrische Stimulationsgeräte und inzwischen zahlreiche appgesteuerte Produkte. Sie können für einzelne Frauen hilfreich sein, sind aber keine Voraussetzung für wirksames Beckenbodentraining.
Für Vaginalgewichte gibt es Hinweise darauf, dass sie gegenüber gar keiner Behandlung helfen können. Im Vergleich zu anderen Behandlungen wie klassischem Beckenbodentraining zeigte sich jedoch kein eindeutiger Vorteil.
Deshalb ist es besser gerade nach einer Geburt nicht einfach irgendeinen Trainer zu kaufen und auf eigene Faust möglichst intensiv damit zu trainieren. Bei Beschwerden ist es sinnvoller, zunächst herauszufinden, was dein Beckenboden tatsächlich braucht. Auch die Unterstützung durch eine Physiotherapeutin, einen Physiotherapeuten kann sinnvoll sein um ein gezieltes und individuelles Übungsprogramm zu entwickeln.
Darf ich mit schwachem Beckenboden joggen oder springen?
Wenn beim Joggen, Springen oder anderen Belastungen Urin abgeht, ein Druckgefühl entsteht oder du Schmerzen hast, solltest du diese Signale ernst nehmen. Das bedeutet nicht automatisch, dass du monatelang keinen Sport machen darfst. Nach Schwangerschaft und Geburt sollte die Belastung jedoch schrittweise aufgebaut werden. Entscheidend ist weniger ein bestimmtes Datum im Kalender als die Frage, wie dein Körper auf die jeweilige Belastung reagiert.
Beschwerden wie Urinverlust oder ein ausgeprägtes Druckgefühl sind ein guter Grund, vor dem Wiedereinstieg in intensivere Sportarten fachlichen Rat einzuholen.

Kann man den Beckenboden auch Jahre nach der Geburt noch trainieren?
Ja. Rückbildung und Beckenbodentraining haben kein Verfallsdatum. Auch wenn deine Geburt schon länger zurückliegt, lohnt es sich, Beschwerden wie Blasenschwäche nicht einfach als unveränderliche Folge des Mutterseins hinzunehmen. Beckenbodentraining ist eine etablierte Behandlung bei Harninkontinenz bei Frauen. Du bist also nicht „zu spät“, nur weil dein Rückbildungskurs Jahre zurückliegt.
Wann sollte ich Beschwerden abklären lassen?
Hol dir fachliche Unterstützung, wenn du beispielsweise regelmäßig Urin oder Stuhl verlierst, ein anhaltendes Druck- oder Fremdkörpergefühl bemerkst, Schmerzen hast oder das Gefühl besteht, dass sich etwas in der Scheide absenkt.
Auch wenn Beschwerden deine Bewegung, Sexualität oder deinen Alltag einschränken, gibt es keinen Grund, sie einfach auszuhalten. Anlaufstellen können je nach Beschwerden deine gynäkologische Praxis, eine spezialisierte Beckenboden- oder urogynäkologische Sprechstunde oder eine entsprechend qualifizierte Physiotherapiepraxis sein.
Beckenbodentraining nach der Geburt: Gib deinem Körper Zeit
Der Beckenboden muss nach einer Schwangerschaft nicht möglichst schnell wieder „funktionieren wie vorher“. Schwangerschaft und Geburt waren eine erhebliche körperliche Veränderung, und Erholung braucht Zeit.
Trotzdem solltest du Beschwerden nicht als unvermeidbaren Preis des Mutterseins akzeptieren. Wenn du deinen Beckenboden nicht gut wahrnehmen kannst, Urin verlierst oder Schmerzen und Druckgefühl bemerkst, kann gezielte Unterstützung sinnvoll sein.
Und Beckenbodentraining bedeutet nicht nur Anspannen. Wahrnehmen, koordinieren, entspannen und anschließend gezielt kräftigen gehören ebenso dazu.
Ausprobiert: Was unsere Autorin beim Beckenbodentraining gelernt hat
Text: Laura Ewert
Man erkennt uns daran, dass wir manchmal stehen bleiben, wenn wir husten müssen. Dass wir ein Bein angewinkelt hochziehen, wenn wir niesen. Man erkennt uns daran, dass wir manchmal abrupt stehen bleiben, wenn wir rennen. Dass wir aufs Klo gehen, bevor wir Trampolin springen… wenn wir überhaupt Trampolin springen.
25 Prozent der Frauen haben nach der Geburt Probleme mit dem Beckenboden
Wir sind die geschätzten 25 Prozent Frauen, die nach der Geburt eine sogenannte Belastungsinkontinenz haben. Ich muss zugeben, die Rückbildungsgymnastik war nichts für mich. Der Raum war eng, voller perfekter Mütter in perfekter Sportkleidung, die alle Bewegungen ganz streberhaft ausführten. Sie hatten Babys, die man einfach auf den Rücken legen konnte, die freudig vor sich hin glucksten. Meines wollte das nicht. Meines wollte weinen und alle guckten mitleidig. Ich bin dann nicht mehr hingegangen. Und so auch mein Beckenbodenmuskel.

Gezieltes Beckenbodentraining hilft relativ schnell
Der Beckenboden ist das zentrale Stützelement des Menschen. Er hält die Organe in ihrer Stellung und dichtet das nach unten offene Becken ab. Und als wäre das nicht alles schon wichtig genug, kommt diesem unsichtbaren Muskel auch noch eine prominente Rolle beim Sex zu. Ich mache mich also auf, Trainingshilfe zu suchen. In der Apotheke soll es da was geben. Kugeln, Konen. Die Verkäuferin senkt die Stimme. „Nee, haben wir nicht.“ In den nächsten beiden Apotheken behauptet man, diese würde es nur im Sanitätshaus geben. Im Sanitätshaus guckt man mich mitleidig an und sagt, so was führe man nicht. Wenn der Einzelhandel nicht will, das Internet wird es schon richten!
Beckenbodentrainer: Schon nach kurzer Zeit hat man erste Erfolge
Ich bestelle: Phase-1-Vaginalkonen. Ein Konus mit Band zu je 20, 34, 50 und 68 Gramm zum Einführen. Als das Paket kommt, freut sich auch das Kind, weil es den Inhalt kurz für sein Spielzeug hält. Aber die Aufgabe ist folgende: Die Dinger sind schwer und wollen deswegen raus und der Muskel soll sich anstrengen, um sie drinzubehalten. 20 Gramm machen mir nichts. Nichts will raus.
Gleich mit der nächsten Stufe weitermachen, beschließe ich, denn das entspricht ziemlich genau meiner Auffassung von Sport: schnell viel wollen und dann schnell scheitern und aufhören. Aber diesmal waren es wenige Gramm, die Gelb von Blau unterscheiden, nämlich nur 14, und ich merke wirklich einen Unterschied. Das Ding wollte schon eher raus und ich hatte einiges zu tun. Nervöses An- und Entspannen. Und weil es sich irgendwie auch ganz gut anfühlt, lasse ich es anstatt der angegebenen zehn einfach 20 Minuten drin.
Eine Woche später bilde ich mir ein, schon besser niesen zu können. Ich erhöhe das Gewicht. Grün und 50 Gramm. Jetzt muss ich mich schon mehr konzentrieren. Ich trage es regelmäßig. Zugegeben nicht wie empfohlen zweimal am Tag. Aber doch regelmäßig. Und versuche dabei weiter zu atmen. Denn das sei wichtig, habe ich im Internet gelesen.
Es ist Zeit, mal mit einem Experten zu sprechen. An der Charité gibt es tatsächlich ein Beckenbodenzentrum, dessen Leiterin ist gerade auf einer Konferenz in Japan.
Beckenboden stärken nach der Geburt: Das rät die Ärztin
PD Dr. med. Kaven Baessler ist Oberärztin und Leiterin des Beckenbodenzentrums. Dieser Frau kann man also vertrauen und umso zufriedener bin ich, ihre erste Einschätzung der Lage zu hören: „Beckenbodengymnastik bringt nichts.“ Jahre voll schlechten Gewissens sind wie weggeblasen. Vielmehr müsse man den Muskel gezielt trainieren, sagt sie.
Aber es gibt auch ein Problem: Ein Drittel der Frauen könne den Beckenbodenmuskel nicht anspannen, da es ihn nicht spüre, erklärt sie und vergleicht dies mit der Schwierigkeit, die Augenbraue zu heben. Ihr Beckenbodenzentrum hat in Berlin mal eine Befragung durchgeführt; heraus kam, dass 25 Prozent der Frauen während der Schwangerschaft an Inkontinenz litten, elf Prozent danach – und wenn die Belastung des Muskels wieder zunimmt, liegt die Quote wieder bei 25 Prozent.
Aber nur wenige Frauen beginnen mit einem gezielten Training. So schlimm ist es ja nicht. Trampolin zu springen ist zwar schwer möglich, aber wer muss schon Trampolin springen? „Erst wenn die Mütter ihren Kindern auf dem Spielplatz kaum noch hinterherrennen können, kommen sie zu mir in die Sprechstunde“, sagt Frau Baessler. So schlimm ist es ja bei mir auch nicht.
Schwacher Beckenboden: Physiotherapie hilft weiter
Und was hilft? Den meisten Frauen verschreibt die Ärztin Physiotherapie. „Allerdings nur bei den Therapeuten, die den Beckenbodenmuskel auch ertasten können.“ Denn nur so können Patientinnen lernen, auch wirklich den richtigen Muskel anzuspannen. „Haben die Frauen das gelernt, reichen wenige Behandlungen“, sagt Baessler. Denn das eigentliche Training finde dann im Alltag statt. Das Wichtigste, so die Ärztin, sei vor dem Niesen, vor dem Heben, dem Aufstehen, vor dem Husten, also vor einer Belastung, den Muskel bewusst anzuspannen. Die Heilungschancen sind dann sehr hoch. Wer das Anspannen nicht mehr lernen kann, dem hilft eine Operation. In einem fünf Minuten dauernden Eingriff wird ein Bändchen unter der Harnröhre befestigt. 70 Prozent der Frauen seien damit zufrieden, weiß die Ärztin.
Und was ist mit meinen lustigen Vaginalkonen? Glücklicherweise hat Frau Baessler ihre Doktorarbeit über sie geschrieben. „Es kommt drauf an“, sagt sie. Ein Training damit könne schon etwas bringen, gerade wenn man nicht mal die niedrigeren Gewichte halten könne. „Und sonst: auch mal an dem Faden ziehen und gegenhalten!“, motiviert sie und ist damit schon effektiver als die meisten Gymnastikgruppen.
















