
Eizellreserve: Das solltest du darüber wissen
MUM, SCHWANGERSCHAFT, Wissen
Die Eizellreserve gibt Aufschluss darüber, wie hoch deine Chancen sind, schwanger zu werden. Viele Frauen fragen sich: Wie kann man die Eizellreserve bestimmen – und was bedeutet ein niedriger AMH-Wert? Hier findest du alle wichtigen Antworten verständlich erklärt.
Ein Mädchen wird mit über einer Million Eizellen geboren
Schon ein weiblicher Fötus entwickelt in den Eierstöcken Millionen winziger Eizellen. Im fünften Monat der Schwangerschaft sind es bereits etwa sechs bis sieben Millionen. Doch noch vor der Geburt hat der natürliche Abbauprozess begonnen: Bei der Entbindung hat ein Mädchen im Schnitt nur ein bis zwei Millionen Eizellen.
Bis zur Pubertät reduziert sich diese Zahl weiter auf etwa 300.000 bis 400.000. Mit Beginn der Menstruation wird jeden Monat ein kleiner Teil davon aktiviert, doch nur eine einzige Eizelle schafft es in der Regel zum Eisprung. Der Rest wird vom Körper resorbiert. Dieser Vorgang heißt Atresie. Das bedeutet: Schon ab der Kindheit sinkt die Zahl der Eizellen stetig. Denn Eizellen kann dein Körper nicht neu bilden.
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Wie sich die Eizellreserve mit dem Alter verändert
Der Rückgang der Eizellen ist ein natürlicher Prozess. Aber Tempo und Zeitpunkt sind individuell und unterschiedlich. Der wichtigste Faktor ist das Alter. Ab etwa Mitte 30 sinken sowohl die Menge als auch die Qualität der Eizellen deutlich. Mit 40 sind durchschnittlich nur noch wenige zehntausend Eizellen vorhanden. Sie sind auch nicht mehr alle chromosomal einwandfrei. Das kann die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft oder für Fehlgeburten beeinflussen.
Neben dem Alter spielen auch diese Faktoren bei der Qualität der Eizellen eine Rolle:
- Genetische Einflüsse: Wenn deine Mutter oder Großmutter früh in die Wechseljahre kam, kann das auch für dich relevant sein.
- Operationen oder Erkrankungen: Eingriffe an den Eierstöcken, Endometriose, Zysten, Chemotherapie oder Strahlentherapie können die Eizellreserve beeinträchtigen.
- Lebensstil und Umwelt: Rauchen, starkes Untergewicht, chronischer Stress oder bestimmte Umweltgifte gelten als zusätzliche Belastungsfaktoren.
- Autoimmunerkrankungen: Sie können ebenfalls die Eierstockfunktion stören.

Was ist eine niedrige Eizellreserve?
Die Eizellreserve gilt als niedrig, wenn deutlich weniger Follikel (also Eizellbläschen) vorhanden sind als für das jeweilige Alter typisch wäre. Das bedeutet nicht automatisch Unfruchtbarkeit, aber die Chancen auf eine spontane Schwangerschaft können sinken.
Eine geringe Reserve zeigt sich häufig durch bestimmte Labor- und Ultraschallbefunde. Der wichtigste Blutwert ist das Anti-Müller-Hormon (AMH). Es wird von den Zellen in den Follikeln gebildet und spiegelt somit wider, wie viele Eizellen noch aktiv sind.
AMH-Werte im Überblick:
- 1–5 ng/ml → normal
- 0,4–1 ng/ml → eingeschränkte Eierstockfunktion
- <0,4 → sehr niedrig, kann bedeuten du bist in den Wechseljahren
Ergänzend wird im Ultraschall die Antralfollikelzahl (AFC) bestimmt – also wie viele kleine, heranwachsende Follikel sich in beiden Eierstöcken zeigen. Idealerweise sollten es vier pro Eierstock oder mindestens sieben in beiden Eierstöcken sein. Eine niedrige Zahl der Follikel in Kombination mit einem niedrigen AMH-Wert kann auf eine eingeschränkte Fruchtbarkeit hinweisen.

Wie kann die Eizellreserve bestimmt werden?
Wenn du neugierig bist oder dir Sorgen machst, kannst du deine Eizellreserve unkompliziert untersuchen lassen. Gynäkologen und Kinderwunschzentren bieten dafür spezielle Tests an.
- AMH-Bluttest: Eine einfache Blutabnahme genügt, um die Konzentration des Anti-Müller-Hormons zu messen. Da dieser Wert im Zyklus relativ stabil bleibt, ist die Untersuchung zu jedem Zeitpunkt möglich.
- Antralfollikelzählung: Zwischen dem zweiten und fünften Zyklustag wird per transvaginalem Ultraschall gezählt, wie viele Follikel in deinen Eierstöcken sichtbar sind.
In Kombination ergeben diese beiden Verfahren ein recht genaues Bild deiner Fruchtbarkeitsreserve. Manche Ärzte empfehlen zusätzlich Hormonwerte wie FSH (Follikelstimulierendes Hormon) oder Estradiol, um das Gesamtbild zu ergänzen.
Kinderwunsch und Eizellreserve: Wann solltest du zum Arzt oder zur Ärztin gehen?
Wenn du jünger als 35 bist und nach einem Jahr ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht schwanger wirst, raten Fachgesellschaften zur Abklärung. Ab 35 empfiehlt sich der Arztbesuch bereits nach sechs Monaten. Auch wenn du planst, den Kinderwunsch hinauszuschieben, kann ein AMH-Test dir wertvolle Orientierung geben – besonders, wenn du Social Freezing in Betracht ziehst.
Darüber hinaus ist ärztlicher Rat empfehlenswert, wenn:
- deine Zyklen unregelmäßig oder sehr kurz geworden sind,
- du Operationen an den Eierstöcken hattest,
- in deiner Familie frühe Wechseljahre vorkommen,
- du dich nach Chemo- oder Strahlentherapie fragst, wie sich das ausgewirkt hat.

Was tun, wenn die Eizellreserve niedrig ist?
Mit einer ausgewogenen Ernährung, ausreichend Schlaf, dem Verzicht auf Rauchen und Alkohol sowie Stressreduktion unterstützt du deine allgemeine Fruchtbarkeit. Auch Sex nach Plan kann zum Wunschkind verhelfen. Denn wenn du deine fruchtbaren Tage kennst, erhöht Geschlechtsverkehr in diesem Zeitraum die Chancen auf eine Schwangerschaft.
Experten in Sachen Fruchtbarkeit sind die Ärzte in Kinderwunschzentren. Sie können mit gezielter Hormonstimulation dabei unterstützen, dass Eizellen gut reifen. Manchmal reicht dann ungeschützter Sex, um schwanger zu werden. In anderen Fällen helfen assistierte Befruchtungen wie IFV oder ICSI: Bei der In-vitro-Fertilisation wird die Eizelle im Labor befruchtet und bei der Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion wird ein einzelnes Spermium direkt mit der Eizelle zusammengebracht. In jedem Fall solltest du dir frühzeitig Hilfe suchen, damit dein Traum vom Wunschbaby bald in Erfüllung geht.
Die wichtigsten FAQs zum Thema Eizellreserve
Wie hoch sollte die Eizellreserve sein?
Die Eizellreserve wird meist über den AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon) bestimmt. Ein Wert zwischen etwa 1 und 5 ng/ml gilt als normal für Frauen im gebärfähigen Alter. Wichtig ist jedoch, dass der Wert immer im Zusammenhang mit dem Alter betrachtet wird – denn die Eizellreserve nimmt mit den Jahren ganz natürlich ab.
Was bedeutet eine niedrige Eizellreserve?
Eine niedrige Eizellreserve bedeutet, dass weniger Eizellen in den Eierstöcken vorhanden sind als für dein Alter üblich wären. Das kann die Chance auf eine Schwangerschaft negativ beeinträchtigen. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass du unfruchtbar bist. Viele Frauen mit einer niedrigen Eizellreserve können dennoch schwanger werden – vielleicht dauert es etwas länger oder es braucht medizinische Unterstützung. Wenn du dich über die Methoden informieren möchtest: Alles zum Thema künstliche Befruchtung findest du hier.
Kann man die Eizellreserve verbessern?
Die Anzahl der Eizellen kannst du nicht erhöhen. Frauen werden mit einer begrenzten Eizellreserve geboren. Allerdings lässt sich die Qualität der Eizellen und die allgemeine Fruchtbarkeit positiv beeinflussen. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, wenig Stress, wenig Alkohol und der Verzicht aufs Rauchen sind eine gute Basis. Eine frühzeitige medizinische Beratung kann hilfreich sein, damit es mit dem Kinderwunsch auch bei einer niedrigen Eizellreserve klappt.
Was ist der AMH-Wert und was genau sagt er aus?
Der AMH-Wert (Anti-Müller-Hormon) ist ein wichtiger Marker für die Eizellreserve. Er wird im Blut gemessen und zeigt an, wie viele Eizellen noch vorhanden sind. Ein niedriger AMH-Wert kann auf eine eingeschränkte Fruchtbarkeit hinweisen, ein hoher Wert zeigt, dass eine gute Eizellreserve vorhanden ist. Der Wert sagt jedoch nichts über die Qualität der Eizellen aus.

Wann sollte man die Eizellreserve testen lassen?
Ein Test der Eizellreserve kann sinnvoll sein, wenn ein Kinderwunsch besteht – vor allem ab Mitte 30. Bei unregelmäßigen Zyklen, nach Operationen an den Eierstöcken, bei chronischen Krankheiten wie Endometriose oder bei anderen bekannten Risikofaktoren kann das frühzeitige Abklären helfen, damit du die eigenen Fruchtbarkeit besser einschätzen kannst.
Welche Rolle spielt das Alter für die Eizellreserve?
Das Alter ist tatsächlich der wichtigste Faktor für die Eizellreserve. Mit zunehmendem Alter sinken die Anzahl aber auch die Qualität der Eizellen. Bereits ab Mitte 30 nimmt die Fruchbarkeit deutlich ab. Frauen mit Kinderwunsch sollten sich also früh mit dem Thema auseinander setzen, um alle Möglichkeiten für die Familienplanung abzuklären.