Fruchtbarkeit – alles, was du wissen musst
MUM, SCHWANGERSCHAFT, Wissen, Wohlfühlen
Ungefähr dreißig Jahre beträgt die Zeit, in der du im Laufe deines Lebens schwanger werden kannst. Doch die Fruchtbarkeit beginnt schon viel eher und verändert sich laufend.
Der Anfang: Ein weibliches Baby hat Millionen Eizellen
Wusstest du, dass ein Mädchen mit etwa ein bis zwei Millionen Eizellen zur Welt kommt? Schon während der Schwangerschaft legt die Natur so bei weiblichen Babys den Grundstein für die spätere Fruchbarkeit. Das heißt: Alle Eizellen, die du in deinem Leben haben wirst, sind bereits bei deiner Geburt vorhanden. Bis zur Pubertät schrumpft ihre Zahl übrigens auf 300.000 bis 400.000 Stück. Denn der Körper behält nur die am besten entwickelten Zellen mit der größten Aussicht auf eine mögliche Schwangerschaft.
Fruchtbarkeit startet in der Pubertät
Einen großen Schritt in Richtung Fruchtbarkeit machen Mädchen während ihrer Pubertät. Diese oft herausfordernde Zeit wird von Hormonen gesteuert:
- Die Geschlechtshormone FSH und LH sorgen für die erste Periode.
- Diese sogenannte Menarche erleben die meisten Mädchen zwischen 11 und 14 Jahren.
- Theoretisch kann ein Mädchen dann schwanger werden.
Doch das bedeutet nicht, dass das ab jetzt immer leicht möglich ist. Denn der Zyklus und auch der Hormonhaushalt müssen sich erst noch einpendeln. In den ersten Zyklen gibt es oft noch keinen regelmäßigen Eisprung. Denoch sollte verhütet werden, wenn eine Schwangerschaft nicht gewünscht ist.

In den 20ern ist die Chance am größten, schwanger zu werden
Im Laufe der Pubertät steigt die Fruchtbarkeit langsam an. Zwischen 20 und 30 Jahren bist du dann in deiner fruchtbarsten Lebensphase. Dein Zyklus läuft meist stabil, dein Körper verwendet die viel versprechendsten Eizellen und ist gesundheitlich bestens vorbereitet für eine Schwangerschaft. Wenn du also über Kinder nachdenkst, sind die biologischen Voraussetzungen gerade besonders günstig. Die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft liegt bei Frauen zwischen 20 und 25 Jahren bei etwa 25 bis 30 Prozent pro Zyklus.
Das heißt aber nicht, dass es bei jeder Frau sofort klappt. Auch jetzt spielen Faktoren wie Stress, Gesundheit und Lebensstil eine wichtige Rolle. Wenn du etwa ein Jahr lang versuchst, schwanger zu werden, sprich mit deinem Arzt. Er kann eine Fruchtbarkeitsdiagnostik durchführen.
Ab 30 verändert sich die Fruchtbarkeit
Viele Paare entscheiden sich in ihren 30ern, ein Kind zu bekommen. Denn dann liegen Ausbildung und Berufsstart hinter ihnen und sie fühlen sich finanziell und emotional sicher. Doch in dieser Zeit beginnt auch eine neue Phase der Fruchtbarkeit, weil sich dein Körper verändert:
- Die Eizellreserve nimmt langsam ab: Denn mit jedem Zyklus sind bislang mehrere Eizellen herangereift oder auch unterwegs abgestorben.
- Dein Körper bildet keine neuen Eizellen, sondern verwendet diejenigen, mit denen du geboren wurdest. Daher sind die Eizellen nun so alt wie du und können unter Umständen nicht mehr so leicht befruchtet werden.
- Auch die hormonelle Balance wandelt sich Schritt für Schritt.
- Ab dem Alter von 35 Jahren sinkt die Wahrscheinlichkeit rapide, schwanger zu werden.

Die ovarielle Reserve ist in diesem Zeitraum ein wichtiger Indikator für die Fruchtbarkeit. Sie gibt an, wie viele reifungsfähige Eizellen noch vorhanden sind. Bestimmt wird sie zum Beispiel mit dem Wert des Anti-Müller-Hormons. Auf dem Weg zum Wunschkind kann eine Kinderwunschbehandlung helfen. Jährlich entscheiden sich in Deutschland etwa 130.000 Frauen für eine assistierte Unterstützung durch eine IVF- oder ICSI-Behandlung. Durchschnittlich sind sie dabei etwa 35 Jahre alt.
Das sind deine fruchtbarsten Tage und so erkennst du sie
Deine fruchtbarsten Tage liegen rund um den Eisprung – meist etwa in der Mitte deines Zyklus. In diesen Tagen ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten, weil eine reife Eizelle im Eierstock freigesetzt wird und für etwa 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig ist. Spermien können bis zu fünf Tage im weiblichen Körper überleben. Deshalb umfasst die sogenannte fruchtbare Phase insgesamt etwa sechs Tage – die Tage vor dem Eisprung plus den Tag des Eisprungs selbst. So kannst du deine fruchtbaren Tage erkennen:
- Beobachte deinen Zervixschleim: Er wird rund um den Eisprung klar, dehnbar und spinnbar – ähnlich wie rohes Eiweiß.
- Miss täglich deine Basaltemperatur: Ein leichter Temperaturanstieg nach dem Eisprung zeigt, dass die fruchtbaren Tage vorbei sind.
- Nutze Ovulationstests: Sie messen den LH-Anstieg im Urin. Dieser Hormonwert steigt kurz vor dem Eisprung.
- Führe einen Zykluskalender oder eine App: Dort kannst du deine Daten sammeln und deinen Zyklusverlauf besser einschätzen.
- Achte auf körperliche Symptome: Manche Frauen spüren Mittelschmerzen oder Veränderungen in Brust und Stimmung rund um den Eisprung.
Perimenopause in den 40ern
Wenn du die 40 überschreitest, verändert sich deine Fruchtbarkeit noch einmal. Die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, nimmt weiter ab. Sie liegt bei etwa zwei bis sieben Prozent, bei Frauen über 42 Jahren sogar unter zwei Prozent pro Zyklus:
- Deine Eizellreserve ist nun deutlich reduziert.
- Die verbliebenen Eizellen sind älter und damit anfälliger für genetische Auffälligkeiten.
- Hormonelle Schwankungen treten häufiger auf, vor allem bei Östrogen- als auch bei Progesteron.
- Viele Frauen bemerken das an unregelmäßiger Periode, wechselnden Zyklustagen oder kürzeren Zwischenzyklen.
Kommen zudem noch Symptome wie Hitzewallungen, Konzentrationsschwierigkeiten oder Stimmungsschwankungen hinzu, sind das meist Anzeichen für die Perimenopause, die besondere Zeit vor den Wechseljahren.

Wechseljahre markieren das Ende der Fruchtbarkeit
Irgendwann bleiben die Tage ganz aus. Das ist bei den meisten Frauen zwischen 45 und 55 Jahren der Fall. Dieser Zeitpunkt markiert den Beginn der Menopause, der sogenannten Wechseljahre. Hier schließt sich der Kreis der natürlichen Fruchtbarkeit. Die Eizellreseserve ist erschöpft, die Eierstöcke stellen keine Hormone mehr her. Auf normalem Wege schwanger zu werden, ist jetzt nicht mehr möglich.
Der Körper produziert weniger Hormone Östrogen und Progesteron. Daher treten typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen auf. Zu diesem Zeitpunkt ist es besonders wichtig, dass Frauen auf sich, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden achten. Denn die Hormonumstellungen können die Knochendichte und das Herz-Kreislauf-System beeinflussen. Viele Frauen erleben die Wechseljahre als Start in eine neue, selbstbewusste Lebensphase, in der sie sich bewusster mit ihrem Körper und ihren Bedürfnissen auseinandersetzen.