Impfen – großer Ratgeber von Anfang an

Impfen – großer Ratgeber von Anfang an

BABY, Ratgeber, Wissen

Dein Baby ist wenige Wochen alt und das erste Mal steht ein Termin zum Impfen an. Ein kleiner Piks kann dein Kind vor vielen Krankheiten bewahren – von Masern über Diphtherie und Keuchhusten bis hin zu Kinderlähmung und schwerem Durchfall. Hier erfährst du alles über die verschiedenen Impfungen.

Warum Impfen wichtig ist für die Gesundheit deines Babys

Krankheiten, an denen früher Tausende Kinder gestorben sind oder danach behindert zurück blieben – wie Polio oder Masern – sind heute selten geworden. Warum? Weil Impfungen nicht nur das einzelne Kind schützen, sondern auch die Gemeinschaft: Wenn viele geimpft sind, haben gefährliche Erreger kaum eine Chance, sich auszubreiten. Das nennt man Herdenschutz.

Vielleicht hast du selbst Windpocken oder Mumps durchgemacht. Manchmal verlaufen diese Krankheiten harmlos – aber nicht immer. Viele sogenannte „Kinderkrankheiten“ können gefährlich werden, besonders für ganz kleine Kinder. Narben und Lungenentzündungen sind bei Windpocken möglich, Masern können sogar zu bleibenden Hirnschäden führen, um nur einige der schweren Folgeerkrankungen zu nennen.

Je früher ein Immunschutz aufgebaut wird, desto besser. Denn gerade in den ersten Lebensjahren sind Kinder besonders anfällig für Infektionen.

Impfen Baby
Eine Impfung schützt Kinder vor schweren Krankheiten.

Womit wird mein Kind geimpft?

Klar, die Impfung kommt aus der Spritze oder wird geschluckt. Aber was ist da eigentlich drin? Es gibt zwei Arten von Impfstoffen:

  • Totimpfstoffe: Diese Impfstoffe enthalten abgetötete Erreger oder nur einzelne Bestandteile davon. Sie können sich nicht mehr vermehren, lösen aber eine Immunreaktion aus. Der Körper lernt: Aha, das ist ein gefährlicher Eindringling – den merke ich mir! Diese Stoffe werden zum Beispiel bei der Impfung gegen Diphttherie, Tetanus, Keuchhusten, HPV, Hepatitis oder Grippe verwendet.
  • Lebendimpfstoffe: Diese Impfstoffe enthalten eine stark abgeschwächte Form des echten Erregers. Der Körper reagiert, als ob er leicht erkrankt wäre – bildet aber Abwehrkräfte, ohne dass es zu einer richtigen Erkrankung kommt. Beispiele sind Masern, Mumps, Röteln (MMR), Windpocken (Varizellen) oder Rotaviren (Schluckimpfung für Babys).

Alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind sorgfältig geprüft, sicher und wirksam. Sie durchlaufen jahrelange Studien, bevor sie von der STIKO, der Ständigen Impfkommission, empfohlen werden. Nebenwirkungen einer Impfung verlaufen in der Regel mild: es kann zu etwas Fieber, Müdigkeit oder einer gerötete Einstichstelle kommen. Ernsthafte Nebenwirkungen in Folge einer Impfung sind extrem selten.

Wann wird mein Kind gegen welche Krankheiten geimpft?

Die Ständige Impfkommission STIKO am Robert Koch-Institut empfiehlt in Deutschland für Kinder den Schutz gegen insgesamt 16 Krankheiten. In ihrem Impfkalender kannst du nachschauen, wann welche Termine anstehen. Damit die Impfungen ihre bestmögliche Wirkung entfalten, sollten sie idealerweise in diesen Zeiträumen stattfinden:

Rotavirus – ab 6. Lebenswoche

Der Arzt tropft diesen Impfstoff in den Mund deines Babys. Der Stoff schützt vor schweren Brechdurchfällen, die gerade für Säuglinge gefährlich werden können. Die Immunisierung erfolgt je nach Impfstoff in zwei oder drei Dosen.

6-fach-Impfung – ab 2. Lebensmonat

Gegen gleich sechs Krankheiten schützt diese Impfung dein Kind. Im 2. Lebensmonat erfolgt die erste Impfung, weitere werden für den 4. und 11. Lebensmonat empfohlen. Das sind die Krankheiten gegen die geimpft wird:

  • Tetanus: Tetanus-Bakterien gelangen über Wunden in den Körper und verursachen schmerzhafte Muskelkrämpfe. Ohne Impfung verläuft die Erkrankung oft tödlich, da die Atemmuskulatur gelähmt werden kann.
  • Diphtherie: Diese bakterielle Infektion befällt die Atemwege oder die Haut. Sie kann dicke Beläge im Rachen verursachen und zu Herzmuskelentzündung, schweren Nervenschäden und Ersticken führen.
  • Keuchhusten: Keuchhusten ist eine hoch ansteckende bakterielle Atemwegserkrankung mit krampfartigen Hustenanfällen, die über Wochen andauern können. Besonders für Säuglinge ist die auch Pertussis genannte Krankheit gefährlich, da sie Atemaussetzer verursachen kann.
  • Hib: Haemophilus influenzae Typ b kann bei kleinen Kindern lebensgefährliche Entzündungen von Hirnhaut, Kehlkopf oder Lunge auslösen. Ohne Impfung drohen bleibende Schäden oder Todesfälle – besonders im ersten Lebensjahr.
  • Kinderlähmung (Polio): Poliomyelitis ist eine Virusinfektion, die dauerhafte Lähmungen verursachen und sogar zum Tod führen kann.
  • Hepatitis B: Diese Virusinfektion greift die Leber an und kann chronisch verlaufen. Spätfolgen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs sind möglich.
Impfen Baby
Die Sechsfach-Impfung erfolgt im zweiten Lebensmonat des Babys. Weitere Impfungen folgen im 4. und im 11. Lebensmonat.

Pneumokokken-Impfung – ab 2. Lebensmonat

Diese Bakterien können schwere Krankheiten wie Lungenentzündung, Hirnhautentzündung oder Mittelohrentzündung auslösen. Bleibende Schäden sind möglich und gefährden besonders Kleinkinder. Die schützende Impfung wird in drei Dosen verabreicht, weitere Termine sind der 4. und der 11. Lebensmonat.

Meningokokken – ab 2. Lebensmonat

Schwere und plötzlich auftretende Infektionen wie Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Blutvergiftung (Sepsis) sind die Folge von Meningokokken B-Bakterien. Besonders bei Babys und Kleinkindern schreitet die Erkrankung oft innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich voran oder führt zu bleibenden Schäden. Um einen vollständigen Impfschutz aufzubauen, sind zwei weitere Impfdosen notwendig – idealerweise im 4. und 12. Lebensmonat.

RSV – in der ersten Herbstsaison

Die RSV-Immunisierung schützt Babys vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus, das schwere Atemwegserkrankungen wie Bronchiolitis oder Lungenentzündung verursachen kann. Besonders in ihrer ersten Herbst- und Wintersaison sind Säuglinge gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht ausreichend ausgereift ist. RSV ist einer der häufigsten Gründe für Klinik-Aufenthalte bei Babys und Kleinkindern – daher empfehlen Experten die Impfung in Babys erster Herbstsaison.

Übrigens: Wenn der Kinderarzt es rät, kann dein Kind auch schon ab dem 6. Monat eine Grippeimpfung erhalten. Das schützt zum Beispiel Personen mit chronischer Erkrankung.

3-fach Impfung MMR – ab 11. Lebensmonat

Diese Impfung wirkt gegen drei Krankheiten. Sie wird in zwei Dosen gegeben, der nächste Termin zum Impfen sollte im 15. Lebensmonat liegen. MMR schützt vor vermeintlichen Kinderkrankheiten, die aber gar nicht so harmlos sind:

  • Masern: Diese hochansteckende Virusinfektion mit Fieber und Hautausschlag kann schwerwiegende Komplikationen wie Lungenentzündung oder eine tödliche Gehirnentzündung (SSPE) verursachen.
  • Mumps: Mumps verursacht schmerzhafte Schwellungen der Speicheldrüsen und kann auch das Gehirn oder die Hoden betreffen. Besonders bei Jugendlichen kann es zu Unfruchtbarkeit oder Hörverlust führen.
  • Röteln: Hautausschlag vom Gesicht über den Körper ist typisch für diese Krankheit, die bei Kindern oft mild verläuft. Aber Röteln sind in der Schwangerschaft hochgefährlich. Eine Infektion beim ungeborenen Baby kann zu schweren Fehlbildungen führen.

Windpocken – ab 11. Lebensmonat

Das Herpes-Zoster-Virus verursacht juckenden Hautausschlag mit Fieber, der sehr ansteckend ist. Es kann zu Komplikationen wie Hautinfektionen oder Lungenentzündung führen. Im 15. Lebensmonat steht die zweite Immunisierung an, danach besteht vollständiger Impfschutz.

Meningokokken C – ab 12. Lebensmonat

Meningokokken C können lebensbedrohliche Erkrankungen wie Hirnhautentzündung oder Blutvergiftung auslösen. Eine einmalige Impfung im frühen Kleinkindalter bietet einen wirksamen Schutz vor dieser schweren Infektion.

Impfung Kind
Nach einer Impfung sind Kuscheln und viel Ruhe angesagt.

Im Vorschulalter impfen

Vor dem Schuleintritt – also zwischen 4 und 6 Jahren – empfiehlt die STIKO eine Auffrischung gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten. So wird der Schutz, der im Säuglingsalter begonnen hat, aufgefrischt und bis ins Schulalter hinein gesichert.

Impfen während der Schulzeit

Diese Auffrischungsimpfungen und neuen Impfungen empfiehlt die Stiko während der Schulzeit:

  • Eine zweite Auffrischungsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten im Alter von 9 bis 16 Jahren.
  • Ebenfalls sollte dein Kind zwischen 9 und 16 Jahren eine erste Auffrischungsimpfung gegen Kinderlähmung erhalten.
  • HPV-Impfung (Humane Papillomviren): Sie wird für Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren empfohlen. HPV kann Gebärmutterhalskrebs, aber auch Genitalwarzen und andere Krebserkrankungen verursachen. Je früher geimpft wird, desto wirksamer ist die Prävention – am besten sollte sie vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen.

Muss ich mein Kind impfen lassen?

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht für Kinder – mit einer wichtigen Ausnahme: Die Masern-Impfung ist für alle Kinder ab dem ersten Geburtstag verpflichtend, wenn sie eine Kita, Schule oder eine ähnliche Einrichtung besuchen.

Alle anderen Impfungen sind freiweillig, werden aber ganz klar von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen. Denn sie schützen dein Kind, dich und auch andere Menschen in der Gemeinschaft. Gerade aus Kitas und Schulen bringen Kinder oft verschiedene Erreger mit, deshalb lohnt es sich, den Impfschutz ernst zu nehmen. Wenn du Fragen hast oder unsicher bist, lass dich von deinem Kinderarzt beraten.

Wie du deinem Kind das Impfen erleichterst

Viele Kinderärzte haben ausgeklügelte Methoden für schonendes Impfen. Manche verabreichen die Spritzen so schnell, dass dein Kind kaum etwas merkt. Andere setzen bewusst auf Kombipräparate, damit sie möglichst wenige Spritzen geben müssen. Oft helfen auch die Angestellten, indem sie dein Kind unterhalten. Mit diesen Tipps kannst du dein Kind zusätzlich beim Impfen unterstützen:

  • Bleib ruhig und positiv – Kinder spüren deine Haltung.
  • Ablenkung hilft – sei es ein Spielzeug, Singen oder das Lieblingsbuch. Auch etwas auf dem Handy zu schauen ist jetzt völlig ok. Hauptsache, dein Kind behält die Impfung nicht als schreckliche Erfahrung in Erinnerung. Es soll dies schließlich noch viele Male über sich ergehen lassen.
  • Körperkontakt wie das Halten auf dem Schoß kann beruhigen.

Nach der Impfung hilft ein Kuscheltag, liebevolle Nähe und gegebenenfalls ein fiebersenkendes Mittel nach Rücksprache mit dem Arzt.

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