Künstliche Befruchtung: Methoden, Kosten und Chancen

Künstliche Befruchtung: Methoden, Kosten und Chancen

SCHWANGERSCHAFT, Wissen

Wenn es auf natürlichem Weg nicht klappt, ist eine künstliche Befruchtung eine Möglichkeit, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Doch welche Methoden gibt es und wie hoch sind die Chancen?

Manchmal braucht es etwas Unterstützung auf dem Weg zum Babyglück. In Deutschland gilt etwa jedes siebte Paar als ungewollt kinderlos. Viele lassen sich in dieser Situation medizinisch begleiten und durch künstliche Befruchtung wie IVF, ICSI oder Insemination helfen.

Schon über 400.000 Babys durch künstliche Befruchtung

Jährlich kommen hierzulande über 20.000 Babys nach Kinderwunschbehandlungen zur Welt – Tendenz steigend. Denn immer mehr Paare haben Schwierigkeiten, auf natürlichem Wege Eltern zu werden. Bereits über 400.000 Kinder sind in Deutschland bislang durch künstliche Befruchtung geboren worden.

Warum „assistierte Befruchtung“ eigentlich das schönere Wort ist

Meist sagen wir „künstliche Befruchtung“ – doch eigentlich ist assistierte Befruchtung passender. Denn: Bei der Kinderwunschbehandlung greift die Medizin greift nicht ersetzend ein, sondern unterstützt die natürlichen Prozesse. Ihre drei wichtigsten Methoden dabei sind Insemination (IUI), In-vitro-Fertilisation IVF und die intrazytoplasmatische Spermieninjektion ICSI.

Von Insemination bis ICSI – das sind die wichtigsten Verfahren

Die Verfahren unterscheiden sich deutlich im Ablauf, bei Intensität und Kosten. Und nicht jedes Paar braucht dieselbe Form der Unterstützung. Der richtige Einstieg hängt also immer von der Befundlage ab.

Insemination (IUI) ist der vergleichsweise sanfte Start

Bei einer Insemination wird aufbereitetes Sperma direkt in die Gebärmutter eingebracht. Das geschieht im Kinderwunschzentrum in einer Art gynäkologischem Stuhl und ganz gezielt rund um den Eisprung, um die fruchtbarsten Tage auszuwählen. Die Methode ist vergleichsweise unkompliziert und wird oft als erster Schritt empfohlen, wenn keine schwerwiegenden Ursachen vorliegen. Die Insemination ist

  • sinnvoll bei offenen Eileitern und leichter Einschränkung der Spermienqualität,
  • kann mit oder ohne hormonelle Stimulation durchgeführt werden,
  • und hat eine Erfolgsquote pro Zyklus von etwa zehn bis 18  Prozent – abhängig vom Alter und weiteren individuellen Faktoren.
Kuenstliche Befruchtung
Nicht immer klappt es auf natürlichem Wege mit der Schwangerschaft. Dann bietet sich eine künstliche Befruchtung an.

IVF (In-vitro-Fertilisation) – Befruchtung im Labor

Bleibt die Schwangerschaft trotz Inseminationen aus oder sind die Eileiter blockiert, folgt oft die In-vitro-Fertilisation. Dabei werden dir nach hormoneller Stimulation unter Narkose Eizellen entnommen und im Labor mit Spermien zusammengebracht. Nach einigen Tagen übertragen Experten meist eine oder zwei befruchtete Eizellen wieder zurück in die Gebärmutter.

Dieser Eingriff ist schon aufwändiger, doch auch präziser steuerbar. Die Schwangerschaftsraten liegen bei etwa 30 Prozent pro Zyklus, die Geburtenrate bei rund 23 Prozent.

ICSI – mehr Unterstützung für das Sperma

Die ICSI, die intrazytoplasmatische Spermieninjektion, ist eine Weiterentwicklung der IVF. Hier wird ein einzelnes Spermium direkt in eine zuvor entnommene Eizelle injiziert – ein mikroskopisch feiner, aber entscheidender Schritt. Die Experten im Labor wählen dabei ein besonders erfolgsversprechendes Spermium aus. Eine oder zwei der befruchteten Eizellen setzen die Ärzte dann wieder in die Gebärmutter ein.

Diese Methode kommt vor allem in Frage, wenn die Spermienzahl oder -beweglichkeit stark eingeschränkt ist oder wenn vorherige IVF-Versuche ohne Befruchtung geblieben sind. Ihre Erfolgsrate ist ähnlich wie bei der IVF.

Schwanger künstliche 
Befruchtung

Vor der Kinderwunsch-Behandlung: hormonelle Stimulation als Vorbereitung

Egal ob Insemination oder IVF/ICSI: Fast immer beginnt die Kinderwunschreise mit einer Hormonbehandlung, um mehrere Eizellen gleichzeitig reifen zu lassen. Dafür erhältst du Medikamente mit den Hormonen FSH, LH oder hCG. Zudem wird dein Zyklus engmaschig per Ultraschall überwacht.

Diese Phase kann körperlich und emotional herausfordernd sein: Stimmungsschwankungen, Müdigkeit oder Wassereinlagerungen sind möglich. Doch sie legt den Grundstein für die spätere Eizellentnahme und Befruchtung. Wichtig zu wissen: Die Medikamente kosten häufig zwischen 400 und 1.500 Euro pro Behandlungszyklus.

Künstliche Befruchtung: Wie hoch sind die Chancen auf eine Schwangerschaft?

Durchschnittlich liegt die Erfolgsrate pro IVF- oder ICSI-Zyklus bei rund 30 Prozent, wobei Frauen unter 35 die besten Chancen haben durch die Verfahren schwanger zu werden. Mit jedem weiteren Versuch steigt die kumulative Wahrscheinlichkeit – nach vier Zyklen liegt sie bei über 60 Prozent.

Bei der Insemination ist die Erfolgswahrscheinlichkeit niedriger, etwa zehn bis 15 Prozent pro Versuch. Dennoch kann sie, gerade bei jungen Paaren, ein sinnvoller erster Schritt sein, bevor aufwendigere Behandlungen begonnen werden.

Welches Verfahren ist das richtige für mich?

Um das zu entscheiden, steht am Anfang immer eine Basisdiagnostik: Ärztinnen und Ärzte prüfen die Krankheitsvorgeschichte, Hormonwerte und den natürlichen Zyklus, und bei den Männern wird eine sogenannte Samenanalyse gemacht. Bei diesem Spermiogramm wird geschaut, wie viele Spermien vorhanden sind, wie beweglich sie sind und ob sie die richtige Form haben. Manchmal kontrollieren die Experten zusätzlich, ob die Eileiter durchlässig sind, also ob die Eizelle den Weg zur Gebärmutter überhaupt nehmen kann.

Eine große Rolle spielt dabei auch das Alter. Denn mit jedem Lebensjahr sinkt die natürliche Fruchtbarkeit etwas, ab Mitte 30 deutlicher, ab 38 spürbar. Deshalb empfehlen Fachärzte: Wenn sich nach etwa einem Jahr keine Schwangerschaft einstellt (oder bereits nach sechs Monaten über 35), lohnt sich der Gang in ein Kinderwunschzentrum. Denn frühzeitige Unterstützung erhöht die Chancen auf ein Wunschkind deutlich.

Kuenstliche Befruchtung
Das Alter der Eltern spielt eine große Rolle – auch bei einer Kinderwunschbehandlung.

Was kostet eine künstliche Befruchtung – und wer zahlt?

Bei einer künstlichen Befruchtung ist die Kostenfrage eine der häufigsten Hürden. Neben den reinen Behandlungskosten kommen häufig Laborleistungen, Medikamente und Vorgespräche hinzu. Der Eigenanteil variiert also stärker, als viele zunächst annehmen. Während eine Insemination relativ überschaubar bleibt, können bei IVF und ICSI je nach Medikamentendosis mehrere tausend Euro zusätzlich entstehen. Im Durchschnitt kannst du bei den Verfahren mit diesen Kosten rechnen:

  • Insemination (IUI): 300–800 €
  • IVF: 3.000–3.600 €
  • ICSI: 4.000–6.500 €

Hinzukommen können noch Kosten für die Narkose oder auch Medikamente. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen 50 Prozent der Summe, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind wie z.B., dass ihr verheiratet seid, eigene Ei- und Samenzellen nutzt, eine gewisse Altersgrenze einhaltet, eine ärztliche Diagnose der Fertilitätsstörung sowie ein genehmigter Behandlungsplan vor Beginn vorliegen. Bezuschusst werden maximal drei IVF- oder ICSI-Behandlungen, bei Inseminationen bis zu acht Zyklen (ohne Stimulation) bzw. drei mit Stimulation.

Tipp für Extrageld für die künstliche Befruchtung

Neben der gesetzlichen Regelung gibt es bundesweite Förderprogramme einzelner Bundesländer. Sie tragen einen Teil der privaten Zuzahlungen. Auch einige Krankenkassen fördern Kinderwunschbehandlungen und beteiligen sich am Eigenanteil – manche sogar bis zu 100 Prozent.
Es lohnt sich daher, sich rechtzeitig beraten zu lassen. Denn wer gut vorbereitet ist, spart oft mehrere tausend Euro.

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