Nachhaltiges Gartenhaus-Design – Minimalismus trifft Naturverbundenheit
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Nachhaltig aber designstark bauen – das war dem Architekten Alexander McGee auch bei seinem Gartenhaus wichtig. Und so wurde aus einer Idee ein innovatives und minimalistisches Massivholzhaus, das sich gut in die Natur einfügt und für schnelles und umweltschonendes Bauen steht.
Die Liebe zum Design und zur unberührten Natur hat den Architekten Alexander McGee aus Kapstadt dazu veranlasst, neue Wege des Bauens zu suchen – und zu finden. Seine beiden Leidenschaften finden sich vereint in einem modernen Holzhaus auf seinem eigenen Grundstück, gelegen an einem felsigen Hang oberhalb von Muizenberg, einem der bekanntesten Surf-Reviere Kapstadts. Entworfen hat er nicht nur ein Garten- und Gästehaus – sondern den Prototypen eines neuen Siedlungskonzepts. Alexander entwickelte es, um das innovative und naturschonende Konzept auch anderen Bauherren nahe zu bringen und daraus ein Start-up zu gründen.
Wie ein nachhaltiges Baukonzept Natur und Umwelt schont
„Ich habe den Beruf des Architekten immer geliebt, war aber frustriert über den mangelnden Fortschritt in unserem Beruf“, sagt er. Viele Jahre lang war er als „konventioneller“ Architekt tätig und sah neue Möglichkeiten im Bausektor und im technologischen Fortschritt. „Aber der Bausektor schien im Vergleich zu anderen Branchen hinterherzuhinken“, sagt er. Alexander fragte sich immer wieder, ob es nicht Möglichkeiten gäbe, schneller und effizienter zu bauen. Er wünschte sich außerdem, es gäbe einfachere Möglichkeiten beim Hausbau, die weniger in die Landschaft und die umgebende Natur eingreifen als das bisher der Fall ist.

„Ich habe eine große Leidenschaft für unberührte Natur und ihre Erhaltung wird für mich immer zentraler“, sagt er. Dazu komme seiner Ansicht auch, dass sich die Work-Life-Balance in den letzten Jahren dramatisch verändert habe und das Interesse am Bau von Häusern an abgelegenen Orten größer denn je sei. Alexander hofft beim Hausbau einen Weg zu finden, der nachhaltig ist und zudem „die Erfahrung des Ortes“ für die Bewohner besser greifbar machen kann. „Ich wollte schon immer eine bessere Wertschöpfungskette beim Bau erreichen“, sagt er, „etwas, von dem ich glaubte, dass es eine größere, dauerhafte Wirkung haben würde – aus ökologischer und architektonischer Sicht.“
Modulare Bauelemente sparen Zeit und Ressourcen

Die Konzentration auf kleinere Bauprojekte war für ihn eine Möglichkeit, diesen Nachhaltigkeitsgedanken weiter zu verfolgen. Dabei wurde ihm klar, dass es vielleicht effektiver wäre ein „Gebäudesystem“ zu entwerfen, anstatt Häuser als „isolierte Strukturen“ zu betrachten. Dies würde zu größerer Flexibilität führen und könnte sogar das Potenzial haben, „die Berufslandschaft des Bauens ein wenig zu verändern“, weil alles auch in großem Maßstab produziert werden könnte.


Dabei spielt auch das Baumaterial eine Rolle. Alexander beschäftigte sich mit dem Potenzial von Brettsperrholzplatten (CLT) als Alternative zu klassischen Ziegeln und Mörtel. Diese kreuzweise verleimten Holzplatten sind stark, das Holz kann aus nachhaltigem Anbau bezogen werden, außerdem lässt sich mit ihnen sauber und präzise arbeiten. Das bedeutet für den Architekten auch, dass er ein Haus mit verschiedenen Komponenten entwerfen kann, die vorab in einer Fabrik hergestellt und anschließend am Bestimmungsort schnell zusammengebaut werden können. Das spart Zeit und Kosten.
Die Anfrage eines Kunden, der an einem relativ abgelegenen Ort ein Haus bauen wollte führte dazu, dass Alexander sein modulares Hauskonzept weiterentwickelte und zu einem Geschäftsmodell machte: ANIMA Homes.
Ein kleines Gartenhaus wird zum minimalistischen Gästehaus


Als Alexander mit den Plänen soweit war, dass er einen Prototyp bauen konnte, gab es dafür keinen besseren Ort als seinen eigenen Garten. Alexander, seine Frau Nicole und ihre beiden gemeinsamen Kinder leben in einem schönen alten Steinhaus. „Das Haus wird hundert Jahre alt“, sagt Alexander. Der terrassenförmig angelegte Garten, den der ursprüngliche Besitzer vor fast einem Jahrhundert liebevoll angelegt hatte, bot die perfekte Plattform für den Bau.
Obwohl der Bau eines traditionellen Gartenhauses für die Familie unter normalen Umständen nie in Frage gekommen wäre, war es mit dem Prototyp des modularen Holzhauses eine andere Voraussetzung. Im Garten gab es einen Bereich, der durch ein bereits vorhandenes Eingangstor zugänglich war. Das schien der ideale Platz für das Testobjekt zu sein. Ursprünglich dachte sich Alexander, das neue Haus könnte ein Atelier und das Kreativbüro von ANIMA sein. Doch inzwischen nutzt die Familie es meist als Gästehaus und vermietet es auch an Urlauber, wenn sie es selber gerade nicht brauchen.
Das Gartenhaus fügt sich in die natürliche Umgebung ein
Alexander hält nichts von einer Bebauung unberührter Natur mit Wohn- oder Ferienimmobilien. Ihm gefällt die Vorstellung, dass sich Häuser an ihre Umgebung anpassen, sich mit ihr verbinden und sich in ihr integrieren, statt sie zu sehr zu beanspruchen oder zu beherrschen.


Anstelle einer vorgefertigten Grundstruktur entwickelte Alexander für sein Hauskonzept modulare Abschnitte. So kann jedes Häuschen so konfiguriert werden, dass es sich dem jeweiligen Klima, der Topografie, der Aussicht usw. anpasst. Diese Flexibilität ist für den Architekten eine „positive Art der Besiedlung“, die darauf abzielt, die Umgebung „auf die bestmögliche Weise“ zu bewohnen ohne sie zu zerstören. Sein eigener Haus-Prototyp ist denn auch eine erste „gestalterische Antwort“ auf die Umgebung, wie er es nennt. Was Alexander dabei besonders mag, ist die Art und Weise, wie sich „Response 1“ – das auch liebevoll „Owlhouse“ (Eulenhaus) genannt wird – unauffällig in die jahrhundertealte Gartenterrasse einfügt. Beim Bau konnte man die Pflanzen rund um das neue Haus ungestört lassen und alles war in drei Wochen fertig. „Das Haus ist sehr zurückhaltend, was seine unmittelbare Umgebung betrifft“, meint Alexander.
Gartenhaus-Design: Minimalistisch mit hochwertigen Details
Beim Entwurf entschied sich Alexander für ein 45 Grad geneigtes Dach mit einer großen, ausladenden Traufe, die an das Wohnhaus der Familie erinnert und seine Form aufnimmt. Die hohen Giebeldecke ermöglichte zudem eine Zwischendecke einzuziehen, die als Schlafkoje dient. Vor dem Zusammenbauen auf der Baustelle, tüftelten Alexander und das Zimmermannsteam im Lager des Lieferanten am Haus herum, probierten Variationen und Änderungen aus, bis sie alle Details so konzipiert hatten, dass das ganze Projekt am eigentlichen Ort gebaut werden konnte.
„Ich habe diesen Prozess geliebt“, erklärt Alexander. Es gab Zeit für ausführliche Gespräche über komplizierte Designdetails, die wahrscheinlich jeden Architekten begeistern. „Es ist ein Riesenunterschied“, sagt er und erinnert sich an seine Arbeit als traditioneller Architekt. „Das war das erste Mal, dass ich hier in Südafrika ein ästhetisch ansprechendes Gebäude so realisieren konnte.“


Auch der Einsatz von nachhaltigen Materialien und der damit verbundenen CO2-Abdruck, waren für Alexander wichtig. Die Solarpanels auf dem Dach liefern genug Strom für das Gästehaus. Die CLT-Platten sind zwar ein neues und komplett industriell gefertigtes Produkt, aber das Material kommt aus nachhaltigem Holzanbau und lässt in seiner Weiterverarbeitung ein Wiederaufleben des traditionellen Tischlerhandwerks zu.
„Es ist ein dekorativer Werkstoff und es geht zurück zu etwas, das durch den Einsatz von Handwerkskunst und Zimmerei eine eigene Persönlichkeit hat, einen Charakter schafft, der bei vielen heutigen Gebäuden fehlt“, so Alexander. Das sieht man auch an kleinen Details wie den eingebauten Fledermaus- und Eulenkästen, die er unter anderem mit einem Greifvogelspezialisten entworfen hat. „Es ist ein Angebot an die Umwelt, eine Einladung an das Leben in der Umgebung des Hauses, das Gästehaus mitzubewohnen“, sagt Alexander. Eine bereits ansässige Eule sorgt jetzt für eine natürliche Schädlingsbekämpfung.

Sommerhäuser in nordeuropäischen und skandinavischen Ländern würden seit Jahrzehnten, wenn nicht sogar Jahrhunderten aus Holz gebaut, erklärt Alexander. Er selbst jedenfalls ist von seinem „Holzhaus“ so begeistert, dass er sich freut es im eigenen Garten zu sehen mit all seinen Details und handwerklichen Rafinessen. Trotz des eher reduzierten, minimalistischen Ansatzes der Inneneinrichtung wird es von Gästen der Familie als „gemütlich“ beschrieben, weil es so „warm“ und ruhig ist. Es ist ein wenig zu elegant und ausgefallen, um als schlichtes Gartenhaus durchzugehen. Aber dieses kleine Holzhaus hat seine Gäste, seinen Architekten, die anderen Gartenbewohner und letztlich auch den Planeten vielleicht ein wenig glücklicher gemacht.