Kinder bekommen vermehrt Antibiotika verordnet
Familie
Eine Erhebung der Krankenkasse KKH zeigte kürzlich auf, dass immer mehr Kinder Antibiotika verordnet bekommen. So war es im Jahr 2024 jedes vierte Kind zwischen 6 und 18 Jahren, das mit Antibiotika behandelt wurde.
Seit 2019 ist laut der Kaufmännischen Krankenkasse KKH die Zahl der Heranwachsenden, denen Antibiotika verordnet wurden, kontinuierlich gestiegen – insgesamt um 12,3 Prozent.
RKI warnt: Resistenzen gegen Antibiotika nehmen weltweit zu
Laut dem Robert Koch-Institut nehmen Antibiotika-Resistenzen immer mehr zu und zwar weltweit. Sie stellten eine der größten Herausforderungen für die globale Gesundheit dar, hieß es vom RKI. Besonders bei Kindern sollten die Arzneimittel daher nur in begründeten Fällen eingesetzt werden. Damit lasse sich das Risiko verringern, dass Antibiotika bei einer bakteriell bedingten lebensbedrohlichen Infektion versagen.

WHO-Studie: Viele Antibiotika mittlerweile wirkungslos
Auch die WHO warnt vor einer weltweit zunehmenden Resistenz gegen gängige Antibiotika-Präparate. Die WHO hat das Problem in Bezug auf 22 oft gebrauchte Antibiotika quantifiziert, die unter anderem gegen Infektionen der Harnwege, des Magen-Darm-Trakts oder der Blutbahn eingesetzt werden.
Dabei haben die Forschenden auch verschiedene Kombinationen von Bakterien und Antibiotika genauer betrachtet. Das Ergebnis zeigt klar: Von 2018 bis 2023 ist die Resistenz bei mehr als 40 Prozent davon gestiegen und zwar je nach Kombination Bakterium-Antibiotikum um 5 bis 15 Prozent pro Jahr.
Die neuesten Zahlen stammen aus dem Jahr 2023. In die Studie sind rund 23 Millionen Daten aus mehr als 100 Ländern eingeflossen. Yvan Hutin, Direktor der zuständigen WHO-Abteilung warnt: „Antibiotikaresistenz ist weit verbreitet und bedroht die Zukunft der modernen Medizin.“ Die WHO verlangt dringend mehr Forschung und die Entwicklung neuer Antibiotika.
Was sollten Eltern mit kranken Kinder beachten
Wichtig ist zu wissen: Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen. Dazu gehören unter anderem bakterielle Lungenentzündungen, Blasenentzündungen oder auch entzündete Wunden.
Yvan Hutin sieht hier auch Patientinnen und Patienten in der Pflicht, die mit dazu beitragen könnten, das Problem in den Griff zu bekommen. Einmal, indem sie das Infektionsrisiko etwa durch häufiges Händewaschen, die Benutzung von Desinfektionsgel oder aber auch durch Impfungen verringern. Zum anderen beim Gang in die Praxis und dem Gespräch mit dem Arzt: „Wenn Sie mit Fieber zum Arzt gehen, sollten Sie nicht automatisch erwarten, ein Antibiotikum zu bekommen“, sagte Hutin. „Vertrauen Sie Ihrem Arzt. Wenn die Ursache eine Virusinfektion ist, ist es völlig richtig, dass Sie keine Antibiotika bekommen.“
Quelle: RKI, WHO
Update: Dieser Artikel wurde zuletzt am 11. Dezember 2025, 14:42 Uhr aktualisiert.