Kinderrechte in Deutschland: Es gibt große regionale Unterschiede
Das Kinderhilfswerk hat sich angesehen, wie Kinderrechte in Deutschland umgesetzt werden. Es gibt dabei große regionale Unterschiede. Je nachdem in welchem Bundesland die Kinder aufwachsen, haben sie mehr oder weniger Rechte.
Die UN-Kinderrechtskonvention wurde vor über drei Jahrzehnten beschlossen. Das internationale Abkommen mit 54 Artikeln schreibt die Kinderrechte völkerrechtlich verbindlich fest. Aber wie sieht es mit der konkreten Umsetzung hier in Deutschland aus? Das Deutsche Kinderhilfswerk hat sich die 16 Bundesländer genauer angeschaut und kommt zu dem Schluss: Von gleichwertigen Lebensverhältnissen könne „keine Rede sein“.
Das Deutsche Kinderhilfswerk hat den neuen „Kinderrechte-Index“ vorgestellt. Er zeige, dass die Chancen junger Menschen „nicht nur aufgrund ihres Elternhauses, sondern auch regional sehr unterschiedlich verteilt sind“. So entscheide oft noch immer noch der Wohnort über die Umsetzung von Kinderrechten.
Wie steht es mit den Kinderrechten in den Bundesländern?
Es gibt Bundesländer, die es mit der Umsetzung der Kinderrechte sehr genau nehmen. Überdurchschnittlich abgeschnitten haben laut Kinderhilfswerk Berlin, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Thüringen. Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen lagen im Durchschnitt. Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Sachsen-Anhalt wurden als unterdurchschnittlich bewertet.
Für den „Kinderrechte-Index“ werden sechs Kinderrechte in den Mittelpunkt der Untersuchung gestellt: die Rechte auf Beteiligung, Schutz, Gesundheit, einen angemessenen Lebensstandard, Bildung, auf Ruhe und Freizeit, Spiel und Erholung sowie die Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben. Unter anderem wurde betrachtet, was die Länder und Kommunen für Kindertagesbetreuung ausgeben, wie viele praktizierende Kinderärzte es gibt oder inwieweit Kinder Mitbestimmungsmöglichkeiten in Kommune, Schule und Verein haben.

Doch auch wenn einige Bundesländer relativ gut abgeschnitten haben, reicht das noch lange nicht. „Kein Bundesland kann sich zurücklehnen“, heißt es in der Studie des Kinderhilfswerks. Alle Länder müssten die Kinder- und Jugendpolitik noch stärker priorisieren und mehr investieren. Anne Lütkes, die Vizepräsidentin des Kinderhilfswerk erklärte, dass von gleichwertigen Lebensverhältnissen mit Blick auf die Kinderrechte keine Rede sein könne. Dabei sei die Umsetzung keine alleinige Frage der Kassenlage, sondern des politischen Willens.
So sollen Kinderrechte gestärkt werden
Das Deutsche Kinderhilfswerk hat folgenden konkreten Katalog an Forderungen in seinem Bericht formuliert:
- Kinder und Jugendliche an allen Entscheidungen zu beteiligen, die sie betreffen
- klare Strategien und kommunale Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut
- eine frühkindliche Bildung auszustatten mit ausreichend Kita-Plätzen, Fachkräften und tragfähigen Personal-Kind Schlüsseln
- Investitionen in Schulen, mehr Personal und echte Inklusion für gerechte Bildungschancen
- frühe Demokratiebildung in Kitas und Schulen auf der Grundlage der Kinderrechte
- einen Rettungsschirm für die Offene Kinder- und Jugendarbeit
- stärkere Medienbildung, damit Kinder und Jugendliche sicher und kompetent mit digitalen Angeboten umgehen können
- einen sofortigen Zugang zu Schule und gesundheitlicher Versorgung für geflüchtete Kinder
- einen flächendeckenden Ausbau von psychosozialen und mentalen Hilfsangeboten
- Justiz und Verwaltung kindgerechter zu gestalten, etwa durch verbindliche Standards zur Qualifizierung und Fortbildung von Fachkräften
- dass Städte und Gemeinden kinderfreundlicher werden müssen – durch sichere Wege, gute Spielräume und echte Beteiligung
Der Kinderrechte-Index 2025 wurde vom Projektteam des Deutschen Kinderhilfswerkes entwickelt und fachlich von einem interdisziplinären wissenschaftlichen Beirat bestehend aus zehn Mitgliedern unterstützt. Mehr Infos zur Methodik und zu den einzelnen Bundesländern gibt es hier.
Quelle: Deutsches Kinderhilfswerk
Update: Dieser Artikel wurde zuletzt am 18. Dezember 2025, 05:31 Uhr aktualisiert.