
Wie erkenne ich eine Wochenbettdepression?
MUM, Wohlfühlen
Eigentlich sollte man mit Baby im Arm doch glücklich sein. Doch sogenannte Baby Blues kommt in den ersten Tagen nach der Geburt häufig vor. Doch wann handelt es sich um eine Wochenbettdepression und wie erkenne ich sie?
Endlich! Nach neun langen Monaten der Schwangerschaft hältst du dein Baby im Arm. Und eigentlich solltest du glücklich sein wie nie. Oder? Warum schießen dir dann auf einmal die Tränen in die Augen? Wenn du dich plötzlich überwältigt und traurig fühlst, bist du nicht allein.
Diese Stimmungsschwankung sind auch bekannt als Baby Blues. Dies ist erstmal völlig normal und betrifft viele Frauen in den ersten Tagen nach der Geburt. Es handelt sich um eine vorübergehende Phase, ausgelöst durch hormonelle Veränderungen, Schlafmangel und Erschöpfung.
Doch was, wenn diese Traurigkeit auch nach Wochen nicht verschwindet? Dann könnte es sich um eine Wochenbettdepression handeln, die mehr Unterstützung benötigt. Wie erkennt man nun, ob es der Baby Blues oder eine Wochenbettdepression ist? Hier sind einige Merkmale von beidem zur Einordnung.

Welche Stimmungsschwankungen sind nach der Geburt normal?
Sicherlich hast du schon einmal vom Baby Blues gehört. Mehr als die Hälfte aller frischgebackenen Mütter erlebt diese besondere Form der Stimmungsschwankungen. Verantwortlich dafür sind die Hormone. Meist treten die Symptome innerhalb der ersten drei bis fünf Tage nach der Geburt auf:
- Tränen fließen oft plötzlich und ohne Grund. Du weißt selbst nicht, was eigentlich mit dir los ist. Denn so kennst du dich nicht.
- Reizbarkeit: Kleine Dinge bringen dich schnell auf die Palme. Du kannst dich vielleicht auch nicht mehr so gut konzentrieren.
- Überforderung: Windeln wechseln? Baby füttern? Ist es hungrig oder müde? Selbst kleine Herausforderungen erscheinen dir manchmal unüberwindbar. Du machst dir Sorgen um dein Kind.
- Stimmungswechsel: Deine Gefühle fahren Achterbahn. Warst du eben noch rundherum glücklich, überkommen dich auf einmal aus heiterem Himmel Zweifel und Traurigkeit.
Zudem fühlst du dich erschöpft und müde – zwischendurch aber auch wieder gepusht und voller Energie. Gut zu wissen: Dieser emotionale Ausnahmezustand dauert meist nur wenige Tage. Nach spätestens zwei Wochen ist der Baby Blues verschwunden. Im Gegensatz zur Wochenbettdepression muss diese Stimmungsschwankung nicht behandelt werden.

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Baby Blues: Das sind die Gründe für die Stimmungsschwankung
Hormonelle Veränderungen sind der Hauptgrund für den Baby Blues. Denn während Schwangerschaft und Geburt produziert dein Körper hohe Mengen der Hormone Progesteron und Östrogen. Nach der Geburt sinken die Östrogen- und Progesteronspiegel jedoch drastisch ab. Da vor allem Östrogen im Gehirn auf die Stimmung wirkt, macht sich der Abfall dieses Hormons in Stimmungsschwankungen bemerkbar.
Aber auch weitere Faktoren wie Schlafmangel, körperliche Erschöpfung und emotionaler Stress können den Baby Blues begünstigen. Schließlich ist es eine große Umstellung, plötzlich ein Baby im Arm zu halten und 24/7 dafür zu sorgen. Die Verantwortung, das Stillen, der veränderte Körper … all das kommt mit dazu und ergibt eine Gefühlslage, die uns schon in „normalen“ Zeiten überfordern kann. Kein Wunder also, wenn du dich trotz Freude über das Baby manchmal unsicher und unter Druck fühlst.
Es dauert eine Zeit, bis man in der Rolle als Mutter ankommt. Gibt dir selbst Zeit und lass dich nicht durch widersprüchliche Gefühle beunruhigen. Allein, dass du dir Gedanken darüber machst, ob du wohl eine gute Mutter sein kannst, zeigt schon, dass du es bist. Auch das Mutterwerden ist eine Phase und passiert nicht von heute auf morgen.
Entlastung kann beim Baby Blues helfen
In dieser Phase ist es wichtig, dass du Unterstützung an deiner Seite hast. Ob Partner, Eltern, Geschwister oder Freunde – wunderbar sind jetzt liebe Hände, die dein Baby halten und aufmerksame Ohren, die dir zuhören. Sich die Gefühle von der Seele reden, das hilft.
Und auch Hilfe bei der Babypflege, im Haushalt oder im Wochenbett ist Gold wert. Plane am besten schon während der Schwangerschaft, wer dir in dieser Zeit zur Seite stehen kann. Nachweislich erkranken Frauen, die nach der Geburt Unterstützung bekommen seltener an einer Wochenbettdepression.
Ganz wichtig: Wenn die Symptome länger als zwei Wochen anhalten oder dich sehr belasten, zögere nicht, mit deiner Hebamme oder deinem Arzt darüber zu sprechen. Denn dann kann es sein, dass professionelle Unterstützung notwendig ist. Die Experten sind geschult darin, die oft fließende Grenze zwischen Baby Blues und Wochenbettdepression zu erkennen.

Wochenbettdepression: Das kannst du jetzt tun
Eine Wochenbettdepression ist ernst. Diese sogenannte postpartale Depression betrifft etwa jede 10. bis 15. aller Babymütter. Die Symptome unterscheiden sich deutlich von einer Stimmungsschwankung, bzw. dem Baby Blues. So kannst du es erkennen:
- Zeitpunkt: Im Gegensatz zum Baby Blues tritt eine Wochenbettdepression nicht immer direkt nach der Geburt auf. Sie kann auch einige Wochen oder Monate nach der Entbindung beginnen.
- Anhaltende Traurigkeit: Betroffene fühlen sich permanent traurig. Sie empfinden kaum Freude über ihre neue Situation oder ihr Baby.
- Desinteresse: Baby, Familie oder auch die eigenen Bedürfnisse sind den Erkrankten zunehmend egal und gleichgültig.
- Schwierigkeiten in der Bindung: Betroffene Mütter haben Schwierigkeiten, eine Verbindung zu ihrem Baby aufzubauen oder Gefühle gegenüber dem Kind zu entwickeln.
- Schuldgefühle: Ich bin keine gute Mutter. Ich kann das nicht. Gedanken wie diese machen sich im Kopf breit. Auch Angstattaken oder Panikmomente können vorkommen.
Weitere Symptome sind Antriebslosigkeit oder auch körperliche Beschwerden wie Müdigkeit, Taubheitsgefühle oder Herzbeschwerden. Wenn solche Punkte auf eine junge Mutter zutreffen, ist es wichtig, Hilfe zu organisieren. Denn eine Wochenbettdepression ist eine Erkrankung, die nicht von alleine verschwindet sondern professionell behandelt werden muss.
Was sind die Ursachen für eine Wochenbettdepression?
Im Gegensatz zum Baby Blues sind bei einer Wochenbettdepression meist nicht die Hormone der Auslöser. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft psychisch erkrankt waren, haben ein erhöhtes Risiko für eine Wochenbettdepression. Auch psychische Erkrankungen innerhalb der Familie, permanente Erschöpfung und Veränderungen im Stoffwechsel begünstigen diese Form der Depression.
Mehr darüber könnt ihr auch in dem Interview mit der Psychologin und Neurowissenschaftlerin Dr. Angela Häne nachlesen. Sie erklärt, warum es wichtig ist für den Start einer Familie, eine Wochenbettdepression möglichst rasch zu behandeln, was der Unterschied zu einem Parental Burn-out ist und welche Therapien es gibt.
Schnelle Hilfe ist wichtig bei einer Wochenbettdepression
Inzwischen gibt es viele Möglichkeiten, sich Unterstützung und Rat zu holen wenn man glaubt, eine Wochenbettdepression zu haben. Allein das zeigt schon, dass die Erkrankung relativ häufig vorkommt.
Auch deine Hebamme und deine Frauenärztin/dein Frauenarzt sind darauf geschult, genauer hinzusehen. Sie können auch für dich die ersten Ansprechpartner sein, um weitere Hilfe zu organisieren. Diese Schritte können dabei helfen, damit eine Wochenbettdepression schnell erkannt wird:
- Sprich darüber: Wenn du als junge Mutter mögliche Symptome bei dir bemerkst oder dich nicht gut fühlst, dann rede mit deiner Hebamme oder deinem Arzt/deiner Ärztin darüber. Sie können die Situation einschätzen und dir helfen.
- Unterstützung: Bitte dein Umfeld um Hilfe. Ob Kochen, Haushalt oder mit dem Baby spazieren gehen – all das wird dich entlasten und dir gut tun. Unter Umständen kann auch eine Haushaltshilfe verordnet werden.
- Therapie: Je nach Schwere der Wochenbettdepression kann der Arzt auch eine Psychotherapie oder Medikamente empfehlen.
- Selbsthilfegruppen: Hilfreich kann es auch sein, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Hier findest du eine Liste mit Selbsthilfegruppen und BeraterInnen der Initiative peripartale psychische Erkrankungen.
Du beobachtest Anzeichen einer Wochenbettdepression bei einer guten Freundin? Höre auf dein Bauchgefühl und sprich sie vorsichtig und wertschätzend darauf an. Und für alle Mütter gilt: Es ist völlig okay, um Unterstützung zu bitten. Denn gerade zu Beginn kann die Zeit mit Baby eine echte Herausforderung sein.



