Plötzlich Zwillinge? Was eine Zwillingsschwangerschaft besonders macht

Plötzlich Zwillinge? Was eine Zwillingsschwangerschaft besonders macht

Geburt, SCHWANGERSCHAFT, Wissen

Zwei Herzschläge auf dem Ultraschirm! Wow, dieser Moment verändert alles! Die Freude ist riesig – aber es gibt auch viele Fragen. Was bei einer Zwillingsschwangerschaft wichtig ist für werdende Eltern und wie man sich auf die beiden Babys gut vorbereitet, von Geburt bis Wochenbett.

Es gibt diesen Moment beim Ultraschall, der in Komödien immer so witzig rüberkommt, sich in Wirklichkeit aber ganz anders anfühlt. Die Ärztin oder der Arzt zeigt auf den Bildschirm und plötzlich sind es zwei. Zwei Herzschläge, zwei winzig-kleine Silhouetten, zwei Leben die gleichzeitig beginnen. Was dann folgt, ist für die meisten Eltern eine Mischung aus überwältigender Freude, ungläubigem Staunen und einer sehr leisen inneren Stimme, die fragt: Wie sollen wir das nur alles schaffen?

Die gemischten Gefühle und auch die Zweifel sind gut nachvollziehbar. Es gibt den tröstenden Gedanken, dass schon andere Paare dafür Antworten und Lösungen gefunden haben. Vernetzung und Austausch mit Eltern von Mehrlingen kann gerade jetzt sehr gut tun, denn Zwillingseltern haben viele hilfreiche und praktische Tipps für den Alltag mit den beiden Babys und können von ihren Erfahrungen berichten.

Aber zuerst ist die Frage: Was ist bei einer Zwillingsschwangerschaft medizinisch anders und was muss man unbedingt wissen?

Zwillinge Babys
Zwillinge stellen Eltern vor einige Herausforderungen – bedeuten aber auch doppeltes Glück.

Eineiig oder zweieiig: Was ist der Unterschied?

Die erste Frage die Ärzte nach der Diagnose klären, ist, ob die Zwillinge eineiig oder zweieiig sind, denn das ist medizinisch relevanter als viele denken.

Zweieiige Zwillinge entstehen wenn zwei verschiedene Eizellen von je einem Spermium befruchtet werden. Sie haben zwei getrennte Mutterkuchen, teilen sich nichts und sind genetisch so verschieden wie andere Geschwister auch. Sie können auch unterschiedlichen Geschlechts sein.

Eineiige Zwillinge entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle, die sich teilt. Eineiige Zwillinge weisen höhere und andere Risiken auf als zweieiige Zwillinge, da sie sich in den meisten Fällen einen Mutterkuchen (Plazenta) teilen. Deshalb werden sie von Gynäkologen engmaschig beobachtet und regelmäßig überprüft. Das bedeutet nicht, dass zwangsläufig etwas schiefgehen muss, aber es bedeutet dass die Schwangerschaft intensiver begleitet wird.

Die Frauenärztin oder der Frauenarzt versucht bereits zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche mithilfe von Ultraschalluntersuchungen herauszufinden, ob die Zwillinge eineiig oder zweieiig sind.

Zwillingsschwangerschaft
Eineiig oder zweieiig: das zu klären ist bei einer Zwillingsschwangerschaft extrem wichtig.

Was eine Zwillingsschwangerschaft körperlich bedeutet

Kein Körper bereitet sich auf zwei Babys gleichzeitig vor und das merkt man schon in den ersten Monaten. Der Bauch wächst schneller, man kann schon früh einen harten Bauch bekommen, schneller müde sein als andere Schwangere oder Dehnungsstreifen bemerken. Im fünften Monat sehen manche werdende Zwillingsmütter schon so aus als wären sie im siebten Monat schwanger.

Eine Mehrlingsschwangerschaft gilt medizinisch immer als Risikoschwangerschaft, weil mögliche Komplikationen häufiger auftreten als bei nur einem Baby. Das klingt beunruhigend, bedeutet aber noch lange nicht, dass etwas schiefgeht. Es heißt einfach, dass die Schwangerschaft engmaschiger begleitet wird, mit mehr Ultraschallterminen und regelmäßigeren Kontrollen. Zu den häufigeren Begleiterscheinungen gehören verstärkte Schwangerschaftsübelkeit, frühere Erschöpfung und ein erhöhtes Frühgeburtsrisiko.

Bis zu 20 Kilogramm Gewichtszunahme sind bei einer Zwillingsschwangerschaft nicht ungewöhnlich. Der eigene Körper leistet in dieser Zeit außergewöhnlich viel und das verdient Respekt, ausreichend Ruhe und die Erlaubnis, es ruhiger anzugehen als gewohnt.

Den richtigen Geburtsort wählen – und früh anmelden

Das ist einer der wichtigsten praktischen Schritte in der Zwillingsschwangerschaft und einer der zeitkritischsten. Experten raten davon ab, Mehrlinge im Geburtshaus oder per Hausgeburt zu bekommen. Sinnvoller ist eine Geburtsklinik mit Neugeborenen-Intensivstation und einem Perinatalzentrum, die auf die Versorgung von Frühgeborenen spezialisiert ist.

Eltern sollten frühzeitig Kontakt zur Klinik aufnehmen, am besten um die 32. bis 34. Schwangerschaftswoche, denn die meisten Zwillinge kommen spontan vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Spezialkliniken haben oft frühe Anmeldefristen, deshalb ist es wichtig das nicht aufzuschieben. Hier kann aber meist die betreuende Ärztin oder der Arzt weiterhelfen und raten, wann man die Klinik zur Voranmeldung kontaktieren sollte.

Zur Frage Kaiserschnitt oder natürliche Geburt: Viele Eltern glauben, dass ein Kaiserschnitt bei Zwillingen die einzige Option ist, in vielen Fällen ist aber auch eine vaginale Geburt möglich. Was die bessere Wahl ist, hängt von der Schwangerschaftswoche, dem Gewicht und der Lage der Babys ab. Hier klären die Ärztinnen und Ärzte auch in der Klinik noch einmal umfassend auf und können oft schon vorab ganz gut einschätzen, ob eine spontane Geburt möglich ist.

Zwillingsschwangerschaft
Der Mutterschutz ist länger und es gibt mehr Elterngeld bei Zwilligen.

Mutterschutz und Elterngeld: Was sich bei Zwillingen ändert

Zwei wichtige rechtliche Aspekte die viele werdende Eltern überraschen:

Mutterschutz: Bei Zwillings- oder Mehrlingsschwangerschaften ist die gesetzliche Schutzfrist nach der Entbindung länger. Statt acht Wochen dauert diese zwölf Wochen.

Elterngeld: Es gibt einen speziellen Zuschlag auf das reguläre Elterngeld – bei Zwillingen 300 Euro auf das Basiselterngeld oder 150 Euro auf das ElterngeldPlus. Außerdem dürfen Eltern für jedes Kind Elternzeit nehmen. Das sind Regelungen die man kennen sollte, bevor man plant.

Das Wochenbett mit Zwillingen vorbereiten

Dieser Punkt wird oft unterschätzt, dabei ist er einer der wichtigsten. Eltern sollten sich frühzeitig um ein gutes Wochenbettmanagement bemühen. Die Möglichkeit, dass der Partner flexibel zwei bis drei Wochen Urlaub nimmt, ist schon eine große Erleichterung. Haushaltshilfen oder Verwandte und Freunde, die beim Kochen, Putzen und eventuell bei der Betreuung von älteren Geschwisterkindern helfen, sollten am besten im Vorfeld organisiert werden.

Ein konkreter Tipp der von vielen Zwillingseltern als wichtigste Investition bezeichnet wird: eine Nachtschwester für die ersten Wochen, die die Nachtschichten übernimmt während man selbst schläft. Das ist kein Luxus sondern gerade in der Anfangszeit Selbstschutz.

Ein gemeinsamer Kalender, in den sich Familie und Freunde für konkrete Aufgaben eintragen – Mahlzeiten kochen, Wäsche waschen, Spazierengehen mit den Babys, Betreuung älterer Geschwister – hilft enorm. Wer das Netzwerk früh organisiert, ist nach der Geburt deutlich entspannter.

Viele Zwillingseltern können auch einen Anspruch auf eine Haushaltshilfe in den ersten Wochen nach der Geburt geltend machen. Die Genehmigung läuft über die Krankenkasse und auch darum solltet ihr euch frühzeitig kümmern.

Stillen mit Zwillingen – geht das überhaupt?

Ja klar, aber es braucht Geduld und eine wehr gute Begleitung durch eine Hebamme und/oder Stillberaterin. Oft ist das Stillen bei Zwillingen eine besondere Herausforderung. Mit einer guten Beratung und der richtigen Stillposition kann man Zwillinge aber ganz normal stillen. Das gleichzeitige Anlegen beider Babys – das sogenannte Tandemstillen – ist eine Technik die sich für Zwillingsmütter lohnt zu erlernen, weil sie enorm Zeit spart.

Wer es nicht schafft oder sich dagegen entscheidet, trifft ebenfalls eine gute Entscheidung. Mit zwei Babys gleichzeitig ist die eigene Erschöpfung ein wichtiges Argument und zufriedene Babys sind wichtiger als einem Anspruchsdenken zu folgen, das einen völlig auslaugen kann. Wenn man bedenkt, dass Mütter mit einem Baby in der Regel mindestens 2-2,5 Stunden pro Tag nur mit Stillen beschäftigt sind und die Kleinen 8-12 mal am Tag gefüttert werden müssen, kann man sich denken wie zeitintensiv das Stillen mit Zwillingen ist. Auch Zwiemilch wird von vielen Zwillingsmüttern praktiziert. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.

Die emotionale Seite: Darf man als Zwillingseltern auch überfordert sein?

Ja. Und man ist es gerade am Anfang oft. Nicht nur ein Baby, sondern mehrere Kinder zu erwarten, löst in bei Eltern erst einmal ein überwältigendes Gefühl aus, bevor es in Freude umschwenkt. Sich überfordert zu fühlen ist keine Undankbarkeit, sondern eine normale menschliche Reaktion auf eine außergewöhnliche Nachricht. Ihr müsst also kein schlechtes Gewissen haben, wenn ihr euch nicht sofort glücklich in die Arme fallen könnt, sondern einfach erst einmal ein wenig Angst habt.

Zwillinge bedeuten doppelte Freude, aber auch doppelte Nächte, doppelte Kosten, doppelte Erschöpfung in einer Zeit in der man ohnehin an seine Grenzen kommt. Wer das von Anfang an realistisch einschätzt, ist besser vorbereitet als die Eltern, die versuchen, nur das Schöne zu sehen.

Was werdenden Zwillingseltern wirklich hilft: Sorgen offen bei Familie oder Freunden auszusprechen und sich professionellen Rat bei Ärztin, Arzt und Hebamme zu holen. Der Kontakt zu anderen Zwillingseltern und deren Erfahrungen sind oft wertvoller als jeder Ratgeber.

Zwillinge
Zwillingsschwangerschaften nehmen übrigens zu, das liegt auch am steigenden Alter der Mütter.

Häufige Fragen zur Zwillingsschwangerschaft

Wie viel zu früh kommen Zwillinge meistens zur Welt?

Die meisten Zwillinge kommen in der 37. Schwangerschaftswoche oder früher zur Welt. Eine gute Vorbereitung – Kliniktasche packen, Geburtsort früh wählen – sollte deshalb früher beginnen als bei einer Schwangerschaft mit nur einem Baby.

Muss man bei Zwillingen immer mit einem Kaiserschnitt entbinden?

Nicht zwingend. Was die bessere Wahl ist, hängt von der Schwangerschaftswoche, dem Gewicht der Babys und deren Lage ab. Die Entscheidung trifft man gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.

Wie viel Gewicht nimmt man bei einer Zwillingsschwangerschaft zu?

Bis zu 20 Kilogramm Gewichtszunahme sind bei einer Zwillingsschwangerschaft nicht ungewöhnlich.

Bekommt man mehr Elterngeld bei Zwillingen?

Ja. Es gibt einen Zuschlag von 300 Euro auf das Basiselterngeld oder 150 Euro auf das ElterngeldPlus pro Mehrlingskind.

Kann man Zwillinge stillen?

Mit einer guten Stillberatung und der richtigen Stillposition ist Stillen bei Zwillingen möglich. Tandemstillen, also beide Babys gleichzeitig füttern, spart Zeit und ist erlernbar.

Eineiige oder zweieiige Zwillinge – was ist riskanter?

Eineiige Zwillinge weisen höhere Risiken auf als zweieiige, weil sie in den meisten Fällen einen Mutterkuchen teilen. Sie werden deshalb noch engmaschiger überwacht.

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