Endometriose

Endometriose: Ein Filmprojekt will auf die Krankheit aufmerksam machen

MUM, Medien, Menschen

Uli Morant

Acht bis zehn Jahre kann es dauern bis die Diagnose feststeht: Endometriose. Das engagierte Filmprojekt "nicht die regel" aus Österreich will für mehr Aufklärung sorgen.

Diffuse Bauchschmerzen, Schmerzen während der Periode, nach dem Sex oder beim Wasserlassen, Müdigkeit und Abgeschlagenheit… All das können Zeichen einer Endometriose sein. Mediziner schätzen, dass bis zu 40.000 Frauen pro Jahr neu daran erkranken. Die Diagnose ist jedoch nicht einfach, denn die Symptome sind oft widersprüchlich.

Engagiertes Filmprojekt für mehr Aufklärung

Weltweit leiden, so wird geschätzt, etwa 200 Millionen Frauen an Endometriose. Auch Raya Schauenstein ist betroffen. „Vor der Schwangerschaft wurde ich operiert, der OP ist eine Verdachtsdiagnose vorausgegangen. Endometriose war mir bis dahin total unbekannt. Auch in meinem Umfeld habe ich niemanden gefunden, der oder die schon mal davon gehört hat“, erzählt sie. Kurz nach der Geburt ihres Sohnes 2018 fasst sie den Entschluss einen Dokumentarfilm über das Thema zu verwirklichen. Sie wird mit einer ebenfalls betroffenen Freundin aktiv, plant, sammelt Geld über Crowdfunding und beginnt mit einem Team engagierter Frauen 2020 mit den Dreharbeiten.

Kürzlich wurde die Doku mit Titel „nicht die regel“ fertig gestellt und feierte Premiere. Das erklärte Ziel der Macherinnen: Ein gesellschaftliches Bewusstsein und Aufmerksamkeit für die Krankheit schaffen. Denn eigentlich geht es nicht nur um die Erkrankung selbst – es geht auch darum, dass Frauen ernst genommen werden.

Die Krankheit ist immer noch ein Tabu

Hab dich nicht so“, hören Betroffene die unter starken Regelschmerzen leiden oft, oder „Das bildest du dir nur ein“. Acht bis zehn Jahre dauert es bei den meisten Frauen, bis eine eindeutige Diagnose vorliegt. Und das obwohl es immer mehr Prominente gibt, die ihre Endometriose-Erkrankung und damit verbundene Symptome öffentlich machen und so einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung leisten: Susan Sarandon, Hilary Clinton, Whoopi Goldberg, Alexa Chung, Lena Dunham und auch Hilary Clinton gehören zu ihnen. Ebenso Amy Schumer, die gerade erst einige sehr persönlich Bilder von ihrem Krankenhausaufenthalt auf Instagram postete. 

 

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Ein von @amyschumer geteilter Beitrag

Bei ihren Recherchen zum Film sind Ranya Schauenstein und ihr Team auch der Frage nachgegangen, warum viele Mediziner im Unklaren sind über das Krankheitsbild. Ihre Erklärung: „Ganz allgemein gesprochen fehlt in vielen Situationen das Bewusstsein für die Erkrankung.“ Denn die Betroffenen leiden unter ganz unterschiedlichen Symptomen, die nicht immer eindeutig zu entschlüsseln sind. „Endometriose verhält sich bei jeder Frau anders, weil die Herde und Zysten ja schon an ganz unterschiedlichen Stellen im Körper auftauchen können. Zusätzlich stehen die Größe bzw. Vielzahl der Herde nicht im Zusammenhang mit den Beschwerden. Ein weiterer Aspekt ist, dass Regelschmerzen allgemein als normal betrachtet werden, also geht eine Frau zum Gynäkologen und beklagt Regelschmerzen und der Arzt findet nichts, dann wird sie heimgeschickt oder das Problem wird oft als psychosomatisch erklärt.“

Endometriose

„Schmerzen von Frauen sollen ernst genommen werden!“ wünscht sich Regisseurin Ranya Schauenstein, hier zusammen mit Kamerafrau Tabea Habluetzel. (@nicht die regel)

Endometriose: Oft ein Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch

In vielen Fällen ist Endometriose ein Grund dafür, wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt. Laut Studien versuchen zwischen 30 und 50 Prozent der Erkrankten vergeblich schwanger zu werden. „Ein unerfüllter Kinderwunsch hebt das Ganze nochmal auf ein neues Level“, wissen die Filmemacherinnen aus eigener Erfahrung und aus Berichten Betroffener. „Prof. Obruca vom Kinderwunschzentrum an der Wien berichtet in unserem Dokumentarfilm von seinen Einblicken. Nicht jede Frau mit Endometriose sei automatisch unfruchtbar. Aber es ist emotional eine sehr fordernde Situation. Es hilft sicher, Gefühle und Gedanken zu kommunizieren und den Austausch zu suchen. Ob man in ein Kinderwunschzentrum geht oder eine ganz andere Lösung findet, ist dann die zweite Überlegung. Und auch die ist eine ganz persönliche Entscheidung.“

Was sich Raya Schauenstein, Dina Tasic und das Team von „nicht die regel“ von den Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik, in der Medizin und nicht zuletzt von der Gesellschaft wünschen, geht über die reine Aufklärung weit hinaus: „Schmerzen von Frauen sollen ernst genommen werden. Ob das physische oder emotionale Schmerzen sind, weil der Kinderwunsch unerfüllt ist. Betroffene von Endometriose sollten nicht zusätzlich zu ihren Beschwerden noch darunter leiden, dass ihre Krankheit ein Tabu ist. Sie sollten offen über ihre Krankheit und die damit einhergehenden Einschränkungen und Folgen reden können.“

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Bilder: nicht die regel (1), gettyimages

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