Vereinbarkeit: Im Gespräch mit Neu-Gründerin Sandra Ritter

MUM, Menschen, Wohlfühlen

Isabelle Jänchen

Sandra Ritter ist Mutter eines zweijährigen Sohnes und Gründerin der Marke Leinerei. Das Thema Vereinbarkeit ist hochaktuell und insbesondere für selbstständige Mütter eine große Herausforderung.

Mit ihrem Label „Leinerei“ trifft Sandra Ritter bei ihren Kunden genau ins Schwarze. Für unterschiedliche Wohnbereiche kreiert sie Produkte aus hochwertiger Leinenqualität. Ein Konzept, das für Nachhaltigkeit und Natürlichkeit steht.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Im Corona-Jahr beschloss die 33-jährige sich während ihrer Elternzeit selbstständig zu machen. Ursprünglich war sie im Textilhandel für den Onlinehandel tätig.  Im folgenden erzählt Sandra Ritter mehr über ihre Idee und ihren Alltag als Frau, Selbstständige, Ehefrau und Mutter!

Gemeinsam mit ihrer Familie zieht es Sandra Ritter derzeit raus aus München und hinein ins schöne Rheinland.

Seit wann spielst du mit dem Gedanken, dich selbstständig zu machen und wie kam es letztlich zu der finalen Entscheidung?

Die Idee der LEINEREI hatte ich schon 2017. Nach einem unserer Sommerurlaube mit der Familie an der französischen Atlantikküste gingen mir die wunderschönen Leinenprodukte, die ich dort jedes Jahr zu sehen bekam nicht mehr aus dem Kopf. In den kleinen Geschäften an der Küste gibt es die verschiedensten Alltagsprodukte in schönen Farbnuancen. Sie sehen schön aus, fühlen sich weich an und sind 100% natürlich und nachhaltig.

Die ersten Schritte

Ich dachte mir das trifft doch total den Zeitgeist der Konsumenten und ist zukunftsträchtig. Zurück zu Hause, habe ich angefangen zu recherchieren und gemerkt, dass es schwer ist diese weichen Leinenprodukte in den tollen Farben in Deutschland zu bekommen. Also beschloß ich die Produkte aus diesem hochwertigen weichen Leinen selber herstellen zu lassen.

Nach sieben Monaten Recherche und zahlreichen Gesprächen mit Lieferanten hatte ich den passenden Hersteller für meine Produkte in Europa gefunden, der nicht nur die gewünschten Farbnuancen herstellen kann, sondern auch die gewünschte Qualität bietet. Seitdem hatte ich einen fertigen Business Plan in der Schublade liegen.

Wirklich rangetraut habe ich mich dann aber erst nach der Geburt unseres Sohnes, während meiner Elternzeit. Erstmal raus aus dem Job war die Hemmschwelle dann nicht mehr so hoch. Ich habe die Idee im Herbst letzten Jahres aus der Schublade genommen und war mir sicher jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Erst habe ich dem Business Plan den letzten Schliff verpasst, die Gespräche mit den Lieferanten wieder aufgenommen, einen Logistikpartner organisiert und den Online Shop erstellt.

Als es dann im April endlich losgehen sollte, kam Corona um die Ecke. Erst habe ich aus Ungewissheit die Anlieferung verschoben und anschließend musste meine Fabrik die Anlieferung um zwei Wochen verschieben, aufgrund des Lockdowns. Doch dann musste es losgehen, und ich hatte auch Lust darauf endlich loszulegen. Die Ware kam und der Shop wurde Anfang Juni eröffnet. Und Gott sei Dank hat alles gut funktioniert und ist gut angelaufen, trotz Corona.

Wie sind deine Arbeitszeiten? Wie verläuft das Familienleben parallel zum Unternehmensumsetzung?

Normalerweise fange ich früh morgens an zu arbeiten. Ich liebe es in aller Ruhe einen Kaffee zu trinken und meinen Tag zu strukturieren, bevor alle anderen wach sind. Wenn unser Kleiner um 8 Uhr in der Kita ist, geht mein Arbeitstag los. Dann versuche ich so konzentriert wie möglich zu arbeiten, da ich weiß, dass ich nicht viel Zeit habe.

Anfangs ging der Kleine nur bis Mittags in die Kita. Da habe ich jedes Schläfchen genutzt, um nochmal kurz etwas zu erledigen. Ab Herbst geht er bis zum frühen Nachmittag, dann habe ich etwas mehr Zeit zum arbeiten, aber auch noch genug Spielzeit mit ihm am Nachmittag und Abend. Ich möchte unbedingt ausreichend Zeit mit ihm verbringen, da ich weiß, wie schnell die Kleinkindzeit verfliegt und ich möchte so viel wie möglich davon mitbekommen.

Aber wie es immer so ist, mal läuft es super nach Plan und mal ist absolute Flexibilität gefragt. Da habe ich gelernt überall arbeiten zu können. Diese Interviewfragen beantworte ich beispielsweise gerade während meines Friseurbesuchs.

Wer springt ein, wenn euer Kind krank wird?

Das ist genau der Grund weshalb wir während der Coronazeit die Entscheidung getroffen haben in meine Heimat zurückzugehen. Denn bislang springt niemand ein, mein Mann und ich wechseln uns ab. Wir freuen uns schon darauf bald mal zu erfahren, wie es ist Oma, um die Ecke wohnen zu haben. Und Oma und Opa freuen sich auch darauf. Und wenn die in ihrer baldigen wohlverdienten Rente vermehrt auf Reise gehen, hat der Kleine dort auch Onkel und Tante.

Wie sieht ein typischer Alltag bei euch aus?

Der Tag muss bei mir mit Ruhe starten, und dem obligatorischen Kaffee. Mein Mann bringt den Kleinen morgens in die Kita, dann habe ich Zeit zum Arbeiten, Nachmittags hole ich ihn ab und wir spielen zusammen, malen, machen Ausflüge, fahren Fahrrad, spielen Fußball oder gehen in den Sandkasten. Was dem Kleinen eben gerade so Spaß macht. Auf die Nachmittage an der frischen Luft freue ich mich nach Stunden am Schreibtisch dann meistens auch richtig.

Wenn mein Mann von der Arbeit kommt oder im Homeoffice fertig ist gibt es dann Abendessen. Mal koche ich, mal er. Dann geht es durch die Waschanlage und ab ins Bett für den Kleinen. Meisten sind wir bis er eingeschlafen ist, so müde, dass wir auch kurz danach in unsere gemütliche Leinenbettwäsche fallen.

Wie schaffst du es, Zeit für dich allein einzuplanen?

Ich habe Glück, da mein Mann jederzeit übernimmt, wenn ich mal alleine was unternehmen will oder einfach nur entspannen möchte. Aber ich muss auch ehrlicherweise gestehen, dass ich nicht so oft das Bedürfnis danach habe. Am Liebsten sind wir eigentlich alle zusammen.

Wie hat dein Umfeld auf deine Entscheidung mit der Selbstständigkeit reagiert?

Das hat eigentlich niemanden gewundert, da ich schon länger mit dem Gedanken gespielt habe. Mein Mann unterstützt mich immer wenn ich mal ins stocken kommen und auch sonst bieten mir viele ihre Unterstützung an oder haben Ideen für mich. Aber letztendlich muss man da alleine durch. Zumindest bis man sich Freelancer oder Angestellte leisten kann.

Fühlst du dich vom Staat ausreichend unterstützt?

Von staatlicher Seite gibt es für digitale Startups viele Leitfäden, die man lesen kann, aber in finanzieller Hinsicht gibt es wenig Möglichkeiten, die sich wirklich zur Umsetzung eignen. Die gesetzliche Möglichkeit zur Elternzeit ist eigentlich das hilfreichste Instrument für Mütter oder Väter, die gründen wollen.

Erzähl uns mehr über dein Konzept. Welche Produkte sind Teil deiner Kollektion?

Bei LEINEREI gibt es ein breites Spektrum an Heimtextilien: Bettwäsche, Tischwäsche, Schürzen, Geschirrtücher, und verschiedenste Deko-Kissengrößen – alles im Mix&Match Prinzip. Unsere Farben sind so ausgewählt, dass unsere Kunden sie beliebig untereinander kombinieren können. Daher kann man bei uns auch alles einzeln kaufen und muss keine ganzen Sets kaufen. So kann man sich seine Farbkombination individuell zusammenstellen.

In regelmäßigen Abständen kommen neue Farben ins Sortiment. Die neueste Farbe im Online Shop ist TERRAKOTTA, ein warmes orange-braun, perfekt für den Herbst!

Die neueste Farbe im Konzept: Terracotta!

Was war und ist dir bei deinem Konzept besonders wichtig?

Die wichtigsten Punkte für mich sind natürliche Materialien und Nachhaltigkeit. Alle LEINEREI Produkte sind aus reinem europäischen Leinen. Als Stoff ist Leinen unschlagbar nachhaltig, denn im Flachsanbau wird nicht bewässert, wie beispielsweise bei Baumwolle. Ohne diese Aspekte kann man heutzutage kein Unternehmen mehr gründen. Die Konsumenten sind bestens informiert und wissen genau welchen Einfluss sie mit ihrem Konsum auf die Umwelt haben.

Als Familienunternehmen ist mir außerdem Regionalität besonders wichtig – denn je kürzer die Wege sind, desto besser ist die Transparenz. Das ist besonders für kleine Firmen sehr wichtig.

Leinen ist der einzige natürliche Stoff, der vom Anbau der Pflanze bis zum fertigen Produkt in Europa hergestellt werden kann. Das Leinenhandwerk hat außerdem eine lange Tradition in Europa.

Wir arbeiten mit einer Familienmanufaktur zusammen, die sich auf die Spinnerei und Weberei dieser langen Flachsfasern spezialisiert hat und die eine der ältesten Manufakturen im europäischen Leinenhandwerk ist. Durch diese Nähe können wir die hohe Qualität unserer Produkte sowie eine ethisch korrekte und umweltfreundliche Produktion sicherstellen.

Was ist das besondere an Leinen und was macht sie so hochwertig?

Die LEINEREI Produkte werden aus extra langen Flachsfasern hergestellt. Je länger die Fasern sind, desto langlebiger sind die Textilien. Diese Qualität gibt es ausschließlich hier in Europa, denn weltweit bietet nur die Region entlang der europäischen Atlantikküste das perfekte Klima für den Anbau von Leinen.

Wo siehst du deine Familie und die Leinerei in fünf Jahren?

Privat hoffe ich, dass die Familie vielleicht noch ein bisschen weiter wächst und für LEINEREI hoffe ich, dass wir bis dahin viele neue Farbnuancen anbieten können, ein weiteres Produktspektrum und viele glückliche Kunden haben werden.

Gibt es abschliessend hilfreiche Tipps, die du Eltern mit auf den Weg geben kannst, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen?

Ich finde die Elternzeit eignet sich dafür hervorragend, sich selbstständig zu machen. Gerade nach der ersten Babyphase haben wir Mütter, oder auch die Väter in Elternzeit, oft das Gefühl, dass wir noch was anderes als Baby-Sachen machen möchten. Diese Motivation sollte man nutzen und auch die gesetzlichen Voraussetzungen, denn die eignen sich perfekt dafür.

Alle Bilder: Leinerei

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