Menstruation nach der Geburt – Interview mit Dr. med. Judith Bildau
Geburt, MUM, SCHWANGERSCHAFT, Wissen
Wann setzt die Menstruation nach der Geburt wieder ein? Eine der vielen Fragen, die sich Neu-Mamas stellen. Wir haben Mutter und Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Dr. med. Judith Bildau die wichtigsten Fragen zu diesem Thema gestellt.
Die erste Periode nach der Geburt ist für viele Frauen ein Thema, das im Wochenbett-Trubel weit hinten auf der Liste steht. Und dann kommt sie plötzlich: manchmal früher als erwartet, manchmal viel später. Und oft ist sie stärker als je zuvor. Da gibt es viele Fragen, die man vorher nie hatte.
Judith Bildau ist Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und arbeitet in der Toskana in drei Krankenhäusern, wo sie Frauen jeden Alters betreut. Als Mutter von fünf Töchtern weiß sie nicht nur medizinisch, sondern auch persönlich, was Frauen nach der Geburt bewegt.
Im Interview mit Luna Mum beantwortet sie uns alle Fragen rund ums Thema Menstruation nach der Geburt.
Liebe Judith Bildau, ab wann setzt der Zyklus nach der Geburt normalerweise wieder ein?
Das ist von Frau zu Frau und Neu-Mama zu Neu-Mama sehr unterschiedlich. Eine wichtige Einflussgröße ist hierbei natürlich, ob und auch wie intensiv eine Mama stillt oder nicht. Stillt sie zum Beispiel direkt nach der Geburt ab, hat im Zweifel also gar keinen Milcheinschuss, kann die erste Regelblutung schon nach einigen Wochen auftreten.
Häufig ist sie dann auch schon recht bald wieder recht regelmässig. Bei einer Mama, die in den ersten Wochen nach der Geburt stillt, kommt die erste Menstruation dann natürlich meist etwas zeitverzögert. Es ist allerdings auch gar nicht so ungewöhnlich, dass Mamas während der Stillzeit Regelblutungen haben. Besonders, wenn sie nicht voll stillen, also am Tag immer wieder längere Stillpausen haben. Diese Blutungen sind dann meist noch nicht regelmäßig, treten aber immer mal wieder auf. Wichtig hierbei ist: Es gibt keinen Zeitpunkt, an dem die erste Periode zwingend einsetzen muss, denn jede Frau und ihr Körper ist anders.
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Wie wirkt sich das Stillen auf den Zyklus aus?
Durch das Stillen wird neben dem Hormon Oxytocin auch das Hormon Prolaktin im Körper der Mama gebildet und ausgeschüttet. Oxytocin sorgt einerseits dafür, dass sich nach der Geburt die Gebärmutter wieder schnell zusammenzieht, andererseits fördert es aber auch die Milchbeförderung in den Milchgängen der mütterlichen Brust.
Das Prolaktin wiederum ist für die Bildung der Muttermilch zuständig. Quasi als „Nebeneffekt“ unterdrückt es aber auch den natürlichen Eisprung, wirkt also im überspitzten Sinne, wie ein – aber nicht 100%ig verlässliches – Verhütungsmittel. Aufgrund des Prolaktins ist der weibliche Zyklus also während der Stillzeit weiterhin „lahmgelegt“.

Wann startet die Menstruation bei Frauen, die nicht stillen?
Wichtig ist hierbei zu wissen, dass Prolaktin bereits während der Schwangerschaft gebildet und ausgeschüttet wird. Viele Schwangere merken bereits, vor allem in den Wochen kurz vor der Geburt, eine Sekretion ihrer Brustwarzen. Stillt eine Frau direkt nach der Geburt ab, sinkt der Prolaktinspiegel auch recht schnell wieder und der Zyklus kehrt meist schon nach wenigen Wochen zurück. Auch hier kann man nicht die Uhr danach stellen. Es ist tatsächlich bei jeder Frau etwas unterschiedlich.
Muss ich verhüten, auch wenn der Zyklus noch nicht wieder begonnen hat?
Sagen wir so: Stillen ist kein zuverlässiges Verhütungsmittel. Soll also eine Schwangerschaft während der Stillperiode verhindert werden, besonders nach einem Kaiserschnitt ist es zum Beispiel wichtig, dass die Gebärmutter ausreichend Zeit bekommt, zu heilen, dann sollte auf ein Verhütungsmittel zurückgegriffen werden. Während der Stillzeit können das natürlich Kondome sein oder ein Diaphragma, aber auch eine „Stillpille“ oder eine Spirale sind möglich.
Ist es möglich, dass sich der Zyklus nach einer Schwangerschaft verändert?
Oh ja, auf jeden Fall. Erstens kann er sich natürlich in seiner Regelmäßigkeit verändern; besonders in den ersten Monaten nach der Geburt oder der Stillzeit kann er noch sehr unregelmäßig sein. Aber auch die Intensität der Regelblutung kann sich verändern. Nicht wenige Frauen berichten nach der Geburt zunächst einmal über eine deutlich stärkere und längere Menstruationsblutung im Vergleich zu vorher. Gründe dafür sind, dass sich die Gebärmutter weiter zurückbilden und sich der Hormonhaushalt erst wieder einspielen müssen. Wenn das geschehen ist, berichten viele Frauen aber auch davon, dass sie nach ihren Schwangerschaften im Vergleich zu vorher nun insgesamt eine regelmäßigere und weniger schmerzhafte Regelblutung haben.

Meine Menstruation lässt auf sich warten, ab wann sollte ich mich bei meinem Arzt vorstellen?
Ich persönlich als Frauenärztin bin ja der Meinung, Frauen sollten sich immer dann an ihre Gynäkologin/ihren Gynäkologen wenden, wenn sie Fragen oder Sorgen haben. Bist du also nach der Geburt unsicher, was deine Regelblutung angeht, scheue dich bitte nicht davor, dir Informationen und Rat bei der Ärztin/deinem Arzt des Vertrauens zu holen.
Wie schon gesagt ist die Rückkehr zu einem natürlichen Zyklus bei jeder Frau ganz unterschiedlich. Es gibt Frauen, die erst etwa ein Jahr nach dem Abstillen wieder ihre erste Regelblutung haben. Das ist völlig normal. Meine Empfehlung ist deshalb: Bleibt die Periode länger als ein 3/4 Jahr bis Jahr nach dem Abstillen aus, solltest du dich einmal bei deiner Frauenärztin/deinem Frauenarzt vorstellen. Sie/er wird dann zunächst eine gynäkologische Untersuchung durchführen, eventuell im Verlauf auch eine Kontrolle deiner Hormonwerte.
Liebe Judith, vielen Dank für das Interview.
Häufige Fragen zur Periode nach der Geburt
Kann ich schwanger werden, bevor meine Periode wiederkommt?
Ja, und das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt. Der Eisprung findet vor der ersten Regelblutung statt. Das bedeutet: Eine Schwangerschaft ist theoretisch möglich, noch bevor du überhaupt weißt, dass dein Zyklus wieder aktiv ist. Wer eine erneute Schwangerschaft vermeiden möchte, sollte daher nicht auf das Ausbleiben der Periode vertrauen, sondern rechtzeitig über Verhütung nachdenken, am besten schon beim Nachsorgetermin beim Frauenarzt.
Stillen schützt doch vor einer Schwangerschaft – oder?
Nur bedingt. Stillen unterdrückt durch das Hormon Prolaktin zwar den Eisprung und wirkt damit wie eine natürliche Verhütung, aber eben nicht zuverlässig. Besonders wenn das Baby nicht mehr ausschließlich gestillt wird oder längere Stillpausen entstehen, sinkt dieser Schutz deutlich. Als alleinige Verhütungsmethode ist Stillen daher nicht zu empfehlen.
Warum ist die erste Periode nach der Geburt so viel stärker?
Das ist häufig und normal. Die Gebärmutter bildet sich nach der Geburt noch zurück, der Hormonhaushalt pendelt sich ein und das kann sich in einer stärkeren, längeren und manchmal schmerzhafteren Blutung zeigen. In den meisten Fällen normalisiert sich das nach einigen Zyklen wieder. Viele Frauen berichten sogar, dass ihre Periode nach einer Schwangerschaft insgesamt regelmäßiger und weniger schmerzhaft wird als davor.
Darf ich nach der Geburt wieder Tampons benutzen?
Nicht sofort. In den ersten sechs Wochen nach der Geburt – also während des Wochenflusses – empfehlen Frauenärzte, auf Tampons und Menstruationstassen zu verzichten. Der Grund ist die erhöhte Infektionsgefahr durch die noch nicht vollständig verheilte Gebärmutterschleimhaut. Sobald der Wochenfluss abgeklungen ist und die erste richtige Periode einsetzt, können Tampons in der Regel wieder benutzt werden.
Wie unterscheide ich Wochenfluss und erste Periode?
Der Wochenfluss beginnt direkt nach der Geburt und dauert vier bis sechs Wochen. Er verändert sich im Verlauf: Anfangs kräftig und rot, wird er zunehmend bräunlich, dann gelblich und schließlich klar. Die erste richtige Periode setzt nach einer kurzen Pause danach ein und ist wieder leuchtend rot. Wenn du dir unsicher bist, sprich am besten mit deiner Frauenärztin oder Hebamme.
Wann sollte ich zum Arzt?
Wenn die Periode länger als ein dreiviertel Jahr bis Jahr nach dem Abstillen ausbleibt, ist ein Besuch beim Frauenarzt sinnvoll. Ebenso wenn die Blutung ungewöhnlich stark ist, sehr lange anhält oder mit starken Schmerzen verbunden ist. Grundsätzlich gilt: Bei Unsicherheit oder Sorgen immer zum Arzt – das ist nie falsch.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu deinem Zyklus nach der Geburt wende dich an deine Frauenärztin oder Hebamme.

















