Selfcare – Hilfreiche Tipps zur Selbstfürsorge und Entschleunigung

MUM, SCHWANGERSCHAFT, Wohlfühlen

Entspannte Mütter haben entspannte Babys? Ganz so einfach ist es wohl nicht. Doch Daniela Gaigg und Linda Syllaba haben in ihrem Buch viele hilfreiche Tipps zur Selbstfürsorge und Entschleunigung ...

Interview: Doris Barbier

Gerade beim ersten Kind will man alles perfekt machen. Die Self-Care bleibt da oft auf der Strecke. Welche Ratschläge würden Sie spontan einer werdenden Mutter geben?

Linda Syllaba: Verabschiede dich so schnell wie möglich vom Perfektionsgedanken. Es gibt keine perfekten Eltern, und Kinder brauchen auch keine perfekten Eltern. Sie brauchen echte, greifbare Menschen um sich, die verantwortungsvoll mit sich und ihren Liebsten umgehen. Da gehört eben auch dazu, die Verantwortung zur Selbstfürsorge zu übernehmen, damit wir als Eltern gut für unsere Kinder da sein können. Sie brauchen uns, sie sind sogar ziemlich lange abhängig von uns. Wenn man so will, könnte man sogar sagen, es ist unsere Pflicht, gut auf uns selbst zu achten, um gut für unsere Kinder sorgen zu können.

Daniela Gaigg: Ich finde, die mentale Unterstützung der Mutter ist besonders wichtig. Wir tendieren dazu, uns immer während zu vergleichen und laufen so Gefahr, fremde Ideale zu sehr anzunehmen. Sich der eigenen Werte bewusst zu werden und sich auf sie zu besinnen, ist eine gesunde Basis für Selbstvertrauen. Wer als Frau bei sich ist, spürt, wann welche Art der Selfcare gebraucht wird, statt irgendwelchen Zielen hinterherzuhecheln. Jede Familie und jede Situation ist so individuell, dass keine pauschalen „Rezepte“ oder gar Ratschläge möglich sind.

Selfcare ist mehr als Schaumbad und Kerzenduft. Welche Rolle sollten dabei die Väter spielen?

Linda Syllaba: Eine ähnliche wie die Mütter. Auch sie müssen auf sich aufpassen … und die Rolle der Frauen und Mütter aufmerksam sehen. Dann erkennen sie, wie wichtig es ist, sich Aufgaben innerhalb der Familie zu teilen; das bedeutet übrigens auch, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Seiner Frau zu ermöglichen, dass sie am Wochenende ausschläft, dass sie sich ab und zu mit einer Freundin treffen oder auch einfach mal in Ruhe etwas lesen kann, das kommt bei Frauen sehr gut an.

Daniela Gaigg: Ich finde, Väter sollten keine eigene Rolle zugewiesen bekommen, sondern sind einfach ein wesentlicher Teil im Familiengefüge. Dass man als Mutter 2021 immer noch gefragt wird, wo denn die Kinder sind, während man arbeitet, der Mann hingegen niemals solche Fragen bekommt, macht klar, dass es hier noch jede Menge zu tun gibt. Es ist also weniger die Rolle, die der Mann einnehmen kann, sondern mehr die Selbstverständlichkeit, mit der wir unsere Bedürfnisse einfordern, die unserer Selfcare zuträglich sind, was durchaus manchmal ein Schaumbad sein kann.

Zum Thema Stillen wurde so vieles geschrieben. Hier ist es vorbei mit der Selbstbestimmung, oder?

Linda Syllaba: Das ist eine Frage des Mindsets. Im ersten Lebensjahr sind Mutter und Kind üblicherweise symbiotisch miteinander verbunden. Fast so, als wäre das Kind noch im Bauch der Mutter. Daraus ergibt sich die Empfehlung für das viele Tragen des Babys, zu schlafen, wenn das Baby schläft und wirklich in Kontakt miteinander zu bleiben. Wenn du mental so rangehst, wird sich dein ganzer Tag entsprechend gestalten. Das Baby holt sich, was es braucht. So wie du.

Daniela Gaigg: Ich habe selber 34 Monate gestillt und empfand das als sehr selbstbestimmt! Diesen Weg habe ich in Absprache mit meinem Mann gewählt und bestimmt, weil meine Tochter es so gebraucht hat, aber ich empfand es nicht als einengend. Allerdings ist das sehr individuell, wird von vielen Faktoren beeinflusst und kann sich durchaus auch schnell ändern. Gerade beim Stillen sind es zumindest zwei Grundbedürfnisse von zwei Menschen, denen man gerecht werden muss, es ist also sehr sensibel und darf sich entwickeln. Genauso, wie es völlig okay sein muss, wenn eine Familie sich bewusst dafür entscheidet, ein Baby mit dem Fläschchen zu ernähren. Das ist wahre Selbstbestimmung.

@iStock

Schwanger und womöglich noch ein Kleinkind zu Hause, wie schafft man es da, sich Selfcare-Momente zu kreieren?

Linda Syllaba: Schon wieder muss ich sagen: Das ist Gedankenkreation. Selfcare ist immer möglich, auch mal ganz kurz zwischendurch – denn sie liegt in der Betrachtung der Situation und dem, was ich mir selbst erlaube bzw. verbiete. In Ruhe zu sitzen und zu essen, zu duschen, Alltagsdinge der Reihe nach und stressfrei zu erledigen … Wenn du dir vor Augen führst, was wirklich wichtig ist, und weißt, wie du es von dringenden Dingen unterscheidest, wird es viel leichter, Prioritäten zu setzen und zu erkennen, dass das „Glück“ immer im Augenblick liegt.

Daniela Gaigg: Das sind mit Sicherheit die härtesten Monate im Leben einer (werdenden) Mama, zumal Kleinkinder meist keinen Aufschub ihrer Wünsche dulden. Das sprichwörtliche Dorf, das es braucht, ist besonders wichtig: Großeltern, Freunde, Nachbarn, Babysitter, Putzperle … Hilfe annehmen, wo es geht, und sich immer wieder kleine „Auszeiten“ zum Durchatmen und Spüren nehmen, ist enorm hilfreich.

Kann man lernen, eine „gute“ Mutter zu sein? Und wenn ja, wie?

Linda Syllaba: In meinem Weltbild ist jede Mutter, deren Kind sich ohne Zweifel geliebt fühlt, eine gute Mutter. Wie sie das macht, ist individuell verschieden. Und hier ist, was ich persönlich noch darüber denke: Ich glaube, eine gute Mutter ist eine authentische Frau, die sich selbst gut kennt, ihr eigenes Verhalten reflektiert und mit sich und der Welt in liebevollem Austausch steht. Sie ist Vorbild für das, was sie erreichen will. Sie verlangt nichts, was sie nicht selbst bereit ist zu geben. Sie ist achtsam, klar und verantwortungsvoll mit sich und ihrer Umwelt. Ja, sie lebt sehr (eigen) verantwortlich. Genauso würde ich übrigens einen guten Menschen definieren.

Daniela Gaigg: Unser Bild der „guten Mutter“ wird oft durch fremde Rollen definiert, die wir uns durch unsere eigene Erziehung, unsere Kindheit und durch fremde Idealbilder zurechtlegen. Unsere Kinder brauchen vor allem eines: bedingungslose Liebe. Wenn diese Basis passt und wir in Klarheit und auf Augenhöhe kommunizieren, sind auch herausfordernde Zeiten, die jede Familie immer wieder durchlebt, zu meistern.

Wie sieht ein perfekter Self-Care Tag aus?

Linda Syllaba: Das ist individuell. Mein Tag beginnt mit einer ruhigen Tasse Tee, Bewegung und Einstimmung auf das, was ansteht. Ich plane Pausen ein, organisiere mich so, dass ich möglichst wenig Stress habe. Dann schmieren sich Pausenbrote genauso friedlich wie ich unter der Dusche bin. Ich rede mit meinen Kindern so, wie ich selbst auch behandelt werden will. Das tun sie auch. Wir gehen in Beziehung miteinander und ich genieße das. Jeder geht seinem Tagwerk nach, manchmal stimmen wir uns zwischendurch telefonisch ab, wer was macht oder wer wann wo sein muss. Ich halte immer wieder zwischendurch inne und schaue, wie es mir geht und was ich brauche. Und nach Möglichkeit sorge ich dann dafür, dass ich es bekomme. So, wie ich das für meine Familie auch tue. Abends geh ich früh schlafen, weil ich einfach müde bin – das entspricht meinem Biorhythmus. Ich stehe dafür am nächsten Tag wieder früh auf und koche Tee …

Daniela Gaigg: Mein perfekter Selfcare-Tag ist ein Tag, an dem ich es morgens gut schaffe, zu fühlen, was ich brauche, und dann die Chance nutze, es mir auch zuzugestehen. Das kann mal Action sein, mal ein Gespräch mit Linda, mal eine ausgedehnte Shopping-Tour oder einfach eine Stunde, in der ich keine Fragen beantworten muss … Abhängig von der Tagesverfassung dem eigenen Rhythmus zu folgen, empfinde ich als den wahren Luxus. Je öfter mir das gelingt, desto spürbarer wird die nachhaltige Wirkung von Selfcare, denn ich habe dann Geduld in anstrengenden Situationen, bin weniger genervt und schimpfe wesentlich weniger.

Daniela Gaigg und Linda Syllaba haben schon mit ihrem ersten Buch „Die Schimpf-Diät“ für viele positive Diskussionen gesorgt. Syballa arbeitet als Dipl. systemischer Coach und Dipl. psychologische Beraterin und wurde durch ihre Familiencoachings nach Jesper Juul bekannt. Daniela Gaigg bloggt unter diekleinebotin.at und ist Trainerin für Selbstliebe. Seit kurzem ist ihr Buch „Selfcare für Mamas. Geht’s dir gut, geht’s deinem Kind gut“ erschienen (Beltz Verlag 2021, 18,95 Euro)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Slider- und Teaserbild: @Unsplash; Autorenfoto privat

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