Kinderräume gestalten: Delia Lachance von Westwing gibt Tipps und Anregungen

BABY, Erstausstattung, Interior, Menschen

Uli Morant

Lernen von den Wohnprofis: Wir haben Delia Lachance von Westwing nach ihren Tipps fürs Babyzimmer gefragt, welche Wohnaccessoires für sie unverzichtbar sind und wann man auf mitwachsende Möbel in Kinderräumen setzen sollte.

Liebe Delia, deine Tochter ist jetzt fast ein Jahr alt. Wann hast du angefangen, dir über das Babyzimmer Gedanken zu machen?

Delia Lachance: Mit der Planung des Kinderzimmers und der Ausstattung habe ich so ungefähr ab dem fünften, sechsten Schwangerschaftsmonat begonnen.

Kannst du dich noch erinnern, was das erste Möbelstück war, das du gekauft hast oder hast du gleich ein Gesamtkonzept erstellt, alles mit einer Sammelbestellung „erledigt“?

Natürlich habe ich mir ein Raumkonzept für das Babyzimmer überlegt, aber ich wusste von Anfang an, welches Möbelstück auf keinen Fall fehlen darf. Denn seit wir das in der Kollektion haben, dachte ich mir: Wenn ich mal ein Kind habe, dann will ich genau dieses Teil haben. Es ist der Schaukelstuhl „Wing“, der mit einem gemütlichen Teddystoff bezogen ist. Meine Eltern hatten bei mir im Kinderzimmer auch einen Schaukelstuhl stehen. Mein Vater hat oft da gesessen und mir Geschichten vorgelesen – und ist manchmal auch dabei eingenickt. Also wollte ich unbedingt auch einen Schaukelstuhl, in dem man stillen und mit dem Baby schaukeln kann.

Die Interiors für mich privat gestalte ich übrigens immer selbst, weil es doch etwas sehr Persönliches ist und ich bei der Gestaltung sehen muss, wie ich mich in den Räumen fühle und was wichtig ist für meine Familie und mich. Das Thema Kinderzimmer ist dabei ganz klar sehr emotional besetzt. Als werdende Mutter will man hier natürlich noch mehr involviert sein. Das ist nichts, was man anderen überlassen möchte, oder?

Babyzimmer

Welche Farbgestaltung hast du gewählt?

Es sollte freundlich und fröhlich, aber auch ruhig sein. Ich wollte keine knalligen Farben haben. Es gibt ja ganz unterschiedliche Philosophien, wovon eine auch besagt, dass Kinder starke Farben brauchen. Aber ich habe trotzdem mehr auf pudriges Rosa und Weiß gesetzt und ich hatte bei meiner Tochter das Gefühl, dass sie das sehr schnell interessiert hat – auch wenn man immer sagt, Babys sehen nur Rot oder eben kräftige Farben.

Weiß ist schon seit Jahren Trend im Kindermöbelbereich, auch weil es sich so gut kombinieren lässt und etwas Zeitloses hat …

Ja, das Konzept verfolge ich nicht nur im Kinderzimmer, sondern auch in anderen Wohnbereichen: Bei zentralen Möbelstücken setze ich auf eine gewisse Zeitlosigkeit. Dann kann man darum herum immer wieder mit Farben, wechselnden Accessoires und Trends experimentieren, immer wieder mal umstylen, entweder saisonal oder im Kinderzimmer auch dem Alter des Kindes entsprechend.

Hast du auch auf mitwachsende Möbel gesetzt im Kinderzimmer?

Tatsächlich habe ich eine Wickelkommode, die sich später in eine ganz normale Kommode verwandeln lässt. Es war mir wichtig, hier eine stabile, qualitativ hochwertige Lösung zu haben, denn man steht ja doch oft an dem Ding (lacht).

Hast du auch etwas gekauft, von dem du jetzt sagen würdest, das hätte gar nicht sein müssen? Vielleicht auch, weil es (noch) gar nicht benutzt wird?

Ja, ich habe relativ früh ein Schaukeltier gekauft, weil es so süß aussah. Das war natürlich noch völlig nutzlos, aber es ist sehr dekorativ im Kinderzimmer. Irgendwann wird es wohl zum Einsatz kommen, aber man hätte es nicht so dringend gebraucht.

Gestaltest du das Zimmer deiner Tochter öfter um – oder hast du das für die Zukunft vor?

Wir sind gerade umgezogen und im Zuge dessen habe ich für Sky ein normales Kinderbettchen gekauft, davor hat sie in einer Krippe gelegen. Jetzt bin ich am Überlegen, ab wann sie in ihrem eigenen Zimmer schlafen soll oder ob sie noch bei uns im Schlafzimmer bleibt. Ich selbst habe lange bei meiner Mama geschlafen. Mal sehen, wie ich das arrangiere und wo das neue Bettchen am Ende stehen wird.

Sky ist jetzt gerade in einem Alter, wo sie überall herumkrabbelt, anfängt, sich überall hochzuziehen. Außerdem spielt sie viel mehr und hat auch schon Interesse daran, sich mit mir gemeinsam Bücher anzuschauen. Ich habe darum ein Kinderbett bestellt, das ein bisschen so aussieht wie ein Haus. Es ist auch nicht so hoch, sodass man es jetzt schon super nutzen kann, um sich gemeinsam reinzukuscheln und Geschichten vorzulesen. Und es lässt sich sogar als Gästebett nutzen, wenn die Oma mal bei uns übernachtet.

Accessoires Babyzimmer

Das heißt, das Kinderzimmer wächst mit den Ansprüchen deiner Tochter mit?

Ja klar. Und ich als Mutter lerne auch immer wieder neu dazu, denn es ist ja mein erstes Kind.

Was würdest du Eltern raten, die wenig Platz haben in ihrer Wohnung? Was ist unverzichtbar im Babyzimmer?

Was für mich generell, also nicht nur im Babyzimmer, unverzichtbar sind Möbel, wo man das Kind je nach Alter mal „reinpacken“ kann, wenn man gerade irgend etwas tun muss. Am Anfang hatten wir eine Krippe mit Rollen, die sehr praktisch war. Das war ein super Tipp von anderen Müttern, denn wenn das Baby schläft oder noch so klein ist, dass es nur ein wenig gucken kann, legt man es da rein und hat es zum Beispiel in der Küche beim Kochen oder wo auch immer in der Nähe.

Ich hatte auch früh eine klassische Babywippe von BabyBjörn, in der Sky sehr gern saß und mir einfach zugesehen hat. Inzwischen hat sie in der Küche einen kleinen Laufstall. Für mich ist wichtig, dass ich weiß: Sie kann mal 15 Minuten zusehen und ist aber sicher, es kann nichts passieren.

Wie hat sich deine eigene Einstellung und dein Blick auf Einrichtung generell verändert, seit du Mutter geworden bist?

Da hat sich wirklich viel verändert und ich bin jetzt ganz anders sensibiliert dafür, wie man das Leben mit Kindern gestalten kann. Dabei meine ich nicht nur das Kinderzimmer, sondern auch andere Lebensbereiche in der Wohnung. Früher habe ich nie darüber nachgedacht, dass unsere Couchtische spitze Kanten haben. Jetzt, wo meine Tochter krabbelt, achte ich darauf, weil sie sich stoßen könnte.

Ich habe auch gemerkt, dass wir noch mehr Stauraum brauchen. Wir haben im Wohnzimmer eine Spielecke und es ist praktisch, wenn man hier eine schöne Stauraummöglichkeit hat, in die man das Spielzeug abends oder wenn Besuch kommt verschwinden lassen kann. Dafür habe ich Samtpoufs gewählt, bei denen man den Deckel aufmachen und alles reinwerfen kann. Sehr praktisch!

Babyzimmer

Gibt es schon eine Trendvorschau für den Kindermöbelbereich, die du uns verraten kannst?

Ich denke, es wird sich mehr und mehr der Trend „genderneutral“ durchsetzen. Früher hat ja man oft noch gewartet auf die Info, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird, um das Kinderzimmer entsprechend farblich zu gestalten. Das ist heute längst nicht mehr so. Ich denke, das wird der größte Trend, dass man diese Art der Farbauswahl und das Kategorisieren lässt.

Gibt es auch ein Produkt, das dir fehlt?

Ja, das ist meinem Mann und mir aufgefallen, als wir uns jetzt damit beschäftigt haben: Es fehlen schöne Spielgeräte für den Garten. Die sind schwer zu finden. Wir haben gerade die erste Schaukel für unsere Tochter gekauft, mein Mann hat sie bei einem Schreiner gefunden. In dem Bereich hat sich noch nicht so viel getan, dabei standen schon als meine Schwester und ich noch Kinder waren immer so hässliche, grellbunte Schaukeln und Spielgeräte in den Gärten herum.

Bestimmt hat das Muttersein auch deine Sicht auf Vereinbarkeit geändert. Du selbst musstest deinen Vorstandsposten im Unternehmen ruhen lassen während der Elternzeit. Wie hast du das empfunden?

Na ja, die Gesetzgebung in Deutschland ist eben so. Natürlich habe ich, seit ich selbst ein Kind habe, einen anderen Blick auf Vereinbarkeit. Wir bieten in unserem Unternehmen schon immer viele Teilzeitmodelle an, aber ich denke, wir müssen da trotzdem noch weitergehen und überlegen, wie man zum Beispiel Möglichkeiten schafft, bei denen man sich Stellen teilen kann.

Letztes Jahr haben wir unsere firmeneigene Kita, die Westwingwichtel eröffnet, in die Mitarbeiter ihre Kinder zur Betreuung bringen können. Ich denke, bei dem Thema gibt es viele Bereiche, wo man ansetzen kann und muss. Ich hoffe, es gibt in der ganzen Gesellschaft noch ein großes Umdenken. Ich habe in meiner Laufbahn immer beobachten können, dass gerade Mütter bei der Arbeit sehr fokussiert und effizient sind. Ich selbst arbeite gerade ebenfalls in Teilzeit und genieße die Abwechslung zwischen dem Job und der Betreuung meiner Tochter. Das bereichert mich.

Das heißt du veränderst das Unternehmen auch noch einmal ganz stark in diese Richtung, seit du selbst Mutter geworden bist?

Wir haben auf das Thema schon seit einigen Jahren einen starken Fokus, die Kinderkrippe war bereits lange in Planung. Aber natürlich geht man mit einer anderen Perspektive an diese Dinge heran, wenn man selber Eltern geworden ist. Das ist klar!

Seit wann arbeitest du wieder?

Mein Plan war wieder zu arbeiten, wenn meine Tochter sechs Monate alt ist, aber eben auch mit der Vorgabe, nicht gleich wieder Vollzeit einzusteigen.

Wie hast du die Betreuung für deine Tochter organisiert?

Ich habe eine Hilfe im Haushalt, die sich auch liebevoll um meine Tochter kümmert. Mein Mann und ich wechseln uns in der Betreuung ab, sodass ich nachmittags arbeiten kann und er vormittags.

Was würdest du jungen Eltern als Interiorprofi raten, wenn diese ihr erstes Kind erwarten?

Vor allem würde ich mich nicht so stressen lassen von dem Wunsch, alles perfekt haben zu wollen. Es ist einfach so, dass das Leben mit Kindern etwas chaotischer wird – aber eben auch ein bisschen bunter, und das ist sehr schön! 

Zur Person:

Delia Lachance war Redakteurin von „Elle“ und „Elle Decoration“, bevor sie 2011 Westwing gründete. Eine Erfolgsgeschichte: Mittlerweile ist der Online-Shop für Möbel und schöne Interior-Produkte in 11 Ländern vertreten und beschäftigt 1800 Mitarbeitende. westwing.de

 

Fotos: Westwing/PR

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