Ernährung und Kinderwunsch: Im Gespräch mit Eva Maria Smith

Food, MUM, SCHWANGERSCHAFT, Wohlfühlen

Isabelle Jänchen

Warum wir bei der Ernährung bewusster auf unseren Körper hören, und dem Verlangen nach bestimmten Lebensmitteln nachgeben sollten, zeigt dieses Beispiel von Eva Maria Smith. Sie erzählt uns von ihrem Kinderwunsch und der begleitenden Ernährung.

Eva Maria Smith (34) ist Fotografin, Autorin und Mutter von zwei Kindern. Gemeinsam mit ihrem Mann Truman (33) und den beiden Kindern lebt sie seit zwei Jahren in Oklahoma City, USA . Tochter Smilla kam vor sechs Jahren nach einer in vitro Befruchtung zur Welt. Sohn Winter leidet unter einer seltenen Genmutation. Im Interview erzählt sie mehr über Hoffnung und Bangen, Freude und der auffallenden Veränderung ihrer Ernährung in den letzen Jahren.

Liebe Eva, du bist Mama von zwei Kindern. Smilla kam damals nach einer in vitro Befruchtung zur Welt. Erzähl gern mehr darüber.

Ja das stimmt, unsere Smilla war das Ziel einer anstrengenden Reise. Schon kurz nachdem wir unseren Kinderwunsch verwirklichen wollten haben wir durch eine Routineuntersuchung erfahren, dass mein Mann nicht ausreichend Spermien produziert, bzw. die Chancen auf eine natürliche Befruchtung in unserem Fall unter 3% lagen. Erstmal brach für uns eine kleine Welt zusammen. Nachdem einige weniger invasive Eingriffe nicht zu einer Schwangerschaft führten haben wir uns relativ schnell für eine künstliche Befruchtung entschieden.

Wir wohnten damals an der Westküste der USA und hatten die Möglichkeit in Seattle mit tollen Ärzten zusammen zuarbeiten und tatsächlich hat es beim ersten Versuch geklappt. Die Unfruchtbarkeit und der Prozess, die Nadeln, die vielen Hormone, die Schmerzen, das Bangen, all das hat unsere Partnerschaft und Elternschaft sehr geprägt und obwohl damit viel Trauma verbunden ist, so hatte diese Zeit auch seine faszinierenden und romantischen Momente. Beispielsweise als ich auf dem Ultraschall beobachten konnte wie der kleine Embryo in meinem Uterus eingesetzt wird. Wie ein Stern, der in den Himmel hinauf schiesst sah das aus.

Inwiefern hat sich deine Ernährung in dieser Zeit während eures Kinderwunsches und dann mit Beginn der Schwangerschaft verändert?

Kurz nachdem wir aufgehört hatten zu verhüten fiel mir das Buch “The Kind Diet” von Alicia Silverstone in die Hände. Binnen weniger Wochen stellten mein Mann und ich unsere Ernährung komplett auf vegan um. Die Umwelt, die Tierhaltung, und die Gesundheit waren die ausschlaggebenden Elemente. Auch im Bezug auf Fruchtbarkeit gab es einiges an Literatur was eine pflanzliche Ernährung bestätigte. Ich war damals so ein “ganz oder gar nicht”-Mensch.

Tatsächlich fühlte ich mich damals sehr gut. Allerdings investierte ich jeden Tag mehrere Stunden in die Zubereitung einer sehr ausgewogenen veganen Ernährung, was ich mir heute in diesem Umfang nicht mehr vorstellen kann. Zusätzlich zu meiner biologischen, pflanzlichen Ernährung habe ich auf Alkohol schon während des Kinderwunsches grossteils verzichtet. Genauso wie auf Zucker. Eine Homöopathin hat meine Ernährung durch individuell zusammengestellte Kräuter ergänzt.

In den ersten Monaten der Schwangerschaft fühlte ich mich grossartig und meine Blutwerte waren sehr gut. Ich hatte den ganzen Tag Lust auf frisches Obst und ich erinnere mich liebevoll daran, dass ein älterer Onkel meines Mannes mir in diesem Frühling fast jeden Tag ein Pfund frische Kirschen gebracht hat.

Wie ging es dir dabei, würdest du dich genauso wieder ernähren?

Ich denke es war so um dass siebte Schwangerschaftsmonat herum, dass mein Körper nach Hühnereiern verlangte. Rührei, Spiegelei, hartgekocht – Eier in jeder Form. Ich war wie besessen davon. Da ich fest an meine Intuition glaube und ich mich generell sehr im Einklang mit meinem Körper fühle habe ich diesem Drang nachgegeben und mich von da an vegetarisch ernährt.

Kurz zuvor waren wir von den USA Zurück nach Deutschland umgezogen und ich hatte die Möglichkeit die Eier ganz frisch von den Hühnern einer Freundin zu beziehen. Mittlerweile haben wir unsere eigenen Küken.
Ich glaube fest daran, dass mein Körper die Fette und Vitamine im Ei einfach gebraucht hat und ich bin froh, dass ich nicht dogmatisch auf eine Ernährungsform bestanden habe.

Sohn Winter und Mama Eva beim Zeit zusammen geniessen!

Hast du dann auch auf eine bestimmte Ernährung vor der Schwangerschaft mit Winter geachtet?

Winter ist unser grosses Wunder. Er kam einfach so zu uns. Da wir die ersten Wochen auf einer Campingtour in Skandinavien unterwegs waren, war ich mir lange nicht sicher ob ich tatsächlich schwanger war. Mein Herz sagte ja, aber die Tests aus dem Drogeriemarkt in Dänemark sagten nein. Schon auf der Reise hatte ich auf einmal unheimliche Fleischeslust. In Kopenhagen habe ich damals dann das erste Mal seit langem wieder Fleisch gegessen. Einfach wieder auf das gehört, was mein Körper verlangt hat. Mich leiten lassen, ganz intuitiv.

Letztes Jahr, kurz nach Winters 3. Geburtstag haben wir erfahren, dass er eine sehr seltene Genmutation hat. Das ADNP Syndrom. Interessanterweise haben uns alle Spezialisten eine Ernährung mit hohem Fettanteil, sowohl gesättigte als auch ungesättigte Fettsäuren, sowie eine gute Mischung aus Omega 3 und 6 für unseren Kleinen empfohlen. Manchmal glaube ich, dass ich vielleicht gerade wegen seines Gendefekts bereits während der Schwangerschaft verstärkt zu ausgewogenen, aber sehr fettigen Lebensmittel gegriffen habe.

Wie hat sich deine Sicht auf die Ernährung verändert?

Jetzt, fast zehn Jahre nach unseren ersten Versuchen schwanger zu werden bin ich in einer gewissen Balance angekommen, auch was Ernährung betrifft. Ich halte nichts mehr von Einseitigkeit. Während ich manchmal mit Herkunft, Aufzucht und Vertrieb unserer Lebensmittel echt hadere und es sehr mühsam finde, besonders als Mama zweier kleiner Kinder so lokal, so saisonal, so biologisch und so plastikfrei wie möglich einzukaufen, so fühle ich mich besser denn je. Ich bin quasi wieder “Allesfresser”, aber alles so frisch und natürlich wie möglich.

Auch wenn es meiner Ökobilanz schadet so geht es mir einfach besser seit ich wieder öfter Fleisch und Fisch esse, so zwei oder dreimal in der Woche. Seitdem fühle ich mich nicht mehr so ausgelaugt. Als Mama kommt mir oft der Alltag als anstrengend vor und Essen muss für mich Freude sein. Joie de vivre. Ganz viel Gesundes und dann ein leckeres Croissant, oder ein Glas guten Wein, weil es für mich einfach zu einem genussvollem Leben dazugehört.

Ich möchte verantwortlich und bewusst leben, aber mir nicht Regeln und Zwänge auferlegen, die mich frusten. Ich will den Kindern zeigen, dass Vielfalt wunderbar ist und das Essen mehr ist, als nur Nahrungsaufnahme. Wie in fast allen Lebensbereichen stelle ich fest, dass der Weg in der Mitte für mich der Richtige ist.

Auf ihrem Instagramaccount nimmt Eva uns mit in ihren Alltag und gibt bereits kurze Einblicke in ihr neues Buch für Mütter. Vielen Dank für das Interview! 

Fotos: Eva Maria Smith, privat

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