Wann ist der richtige Zeitpunkt fürs Baby?

Menschen, SCHWANGERSCHAFT, Wissen

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Baby? Auf diese Frage gibt es wahrscheinlich so viele Antworten, wie es Menschen gibt. Aber was ist eigentlich "richtig" und woran bemisst sich dies?

Nikola ist spät Mama geworden – zumindest wenn man es an dem allgemeinen Durchschnitt bemisst. Sie war 41 Jahre alt, als sie ihren Sohn Arvid auf die Welt brachte. Die bildende Künstlerin lebt mit dem mittlerweile dreijährigen Söhnchen und ihrem Mann in Berlin. Wir haben mit ihr über die Richtigkeit von Zeitpunkten gesprochen.

Luna mum: Wolltest du schon immer Kinder, oder war das eher ein späterer Wunsch in deinem Leben?

Nikola: Ja, ich wollte schon immer Kinder und eigentlich auch gern ganz viele!

War der Zeitpunkt, an dem du schwanger geworden bist geplant, oder reiner Zufall?

Geplant war der Zeitpunkt nicht, aber ein Zufall sicher auch nicht. Ich habe erst spät den Mann kennengelernt, mit dem ich mir ein gemeinsames Kind und eine Familie gewünscht habe. Ich habe aufgrund meines Alters nicht lange gehadert, ihm von meinem Kinderwunsch zu erzählen. Mein Mann hat mir diesen großen Wunsch erfüllt, obwohl er zu dem Zeitpunkt bereits eine zwölf-jährige Tochter hatte.

In welcher Situation deines Lebens hast du erfahren, dass du schwanger bist?

Ich hatte gerade ein Stipendium in den österreichischen Alpen. Wir Künstler durften einen Monat in einem Luxushotel in Bad Gastein wohnen und wurden mit dem besten Essen rund um die Uhr verpflegt. Tagsüber haben wir in unseren Ateliers in einem alten Wasserkraftwerk gearbeitet. Ein Paar Tage nach meiner Ankunft schöpfte ich Verdacht auf einen kleinen Mitbewohner. Ein Schwangerschaftstest bestätigte das und ich war überglücklich. Es war noch früh am Morgen, und ich nutzte die Gelegenheit, in eine der alten Bauruinen im Stadtzentrum einzusteigen, weil ich hoffte, dass mich um die Zeit niemand erwischen würde. Das erste Abenteuer mit meinem Sohn. Ich war Abends immer sehr müde und alle haben sich gewundert, dass ich nicht feiern wollte. Die Berge kam ich auch nicht mehr so einfach hoch, aber es war ein wunderbare Zustand. Ich habe mein Geheimnis für mich behalten, nur meinem Mann und meiner Schwester habe ich davon erzählt.

Nikola hat allen Grund, ganz entspannt zu lächeln. Bild: Börres Weiffenbach

Was hat sich verändert, seit dein Kind da ist?

Ich habe mit anderen Leuten zu tun und schätze die Zeit mit meinen alten Freunden umso mehr. Ich habe mehr und weniger Zeit als vorher. Ich erlebe andere Dinge, lerne viel und habe andere Fragen. Ich habe zum ersten mal in meinem Leben einen Chef (mein Sohn). Ich wünsche mir noch mehr als zuvor ein Häuschen im Grünen und bin immer schon um zehn müde. Ich frage mich, wie meine Mutter drei Kinder großgezogen hat und bin voller Ehrfurcht. Was meinen Beruf angeht, bin ich experimentierfreudiger geworden als vorher, was vielleicht an den expressiven und waghalsigen Zeichnungen meines Sohnes liegt, die er in einem enormen Tempo produziert.

Machst du dir zu irgendeinem Aspekt deines Lebens nun mehr oder weniger Gedanken?

Ich mache mir mehr Gedanken um die Zukunft dieser Welt und wie mein Sohn sie erleben wird. Mein Sohn verpflichtet mich auch, ständig meine eigenen Werte zu überprüfen und mich klar zu positionieren. Er bringt mich nicht auf weniger, sondern auf andere Gedanken.

Wenn du nun zurückblickst: Warum war es letztendlich gut für dich, zu genau diesem Zeitpunkt deinen Nachwuchs zu bekommen?

Ich hatte sehr viel Zeit, mich im Leben und in meinem Beruf auszuprobieren und einiges auf die Beine zu stellen. Das empfinde ich als ein großes Geschenk. Ich bin viel gereist und habe spannende Orte und Menschen kennenlernen dürfen. Trotzdem merkte ich irgendwann, dass ich in meinem Leben noch etwas anderes wollte. Zu diesem Zeitpunkt war ich ohne Partner und ohne Aussicht darauf, noch eine Familie zu haben. Dann lernte ich bei meiner besten Freundin meinen Mann kennen und plötzlich hatte ich die Möglichkeit, mit diesem besonderen Menschen mein Leben zu verändern. Es war für mich also der richtige Zeitpunkt und so werde ich es auch meinem Sohn erklären, falls er mich irgendwann fragt. 

Was würdest du anderen Frauen/Paaren raten, die sich darüber den Kopf zerbrechen wann genau der richtige Zeitpunkt gekommen ist?

Ich glaube, es sind die Kinder die einem sagen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Und das kann für jede Mutter, für jeden Vater ein anderer Zeitpunkt sein, der, egal wann, der richtige ist. 

Hattest du vor irgendwas Angst, das – aus jetziger Sicht – keiner Angst bedarf?

Vor dem Kreuzchen im Mutterpass bei „Risikoschwangerschaft“.

Willst du noch mehr Kinder?

Mal sehen, ob sich noch ein Kind auf den Weg macht…

Nikolas Meinung, dass richtige Zeitpunkte etwas ganz persönliches und individuelles sind, finden wir wichtig. Darüber hinaus muss man sich vielleicht einfach mal mehr trauen, wenn man glaubt, dass man für ein Kind bereit ist. Das sagt auch der Soziologe Günter Burkart und stellt fest, dass viele Paare einfach zu lange abwarten und alles bis ins letzte Detail abwägen. Die gesamte Geschichte, weitere Einsichten des Wissenschaftlers Dr. Burkart und noch mehr richtige Zeitpunkte anderer Mütter gibt es in der aktuellen mum.

Noch mehr Themen der aktuellen mum findet ihr hier.

Titelbild: unsplash.com/ Noah Silliman

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