Oeuf Gründerin Sophie Demenge: „Balance ist flüchtig“

Job, MUM

Die Gründung von Oeuf NY begann mit ein paar Stricksachen, die sie für ihre Tochter entwarf. Daraus entstand eine inspirierende Kooperation mit einer Gemeinde in Bolivien und die erfolgreiche Kidswear-Kollektion Oeuf. Ein Interview mit der New Yorker Designerin und zweifachen Mutter Sophie Demenge

Seit dreizehn Jahren ziehen Sophie und ihr Mann Michael ihr drittes gemeinsames Baby groß: das Label „Oeuf“. Angefangen haben die beiden mit Möbeln, die inzwischen nicht nur in New York in vielen hippen Kinderzimmern stehen. Dazu kam schnell eine ökologische Strickkollektion, vor drei Jahren dann die Babyausstattung. Eine Französin mit Wahlheimat New York, eigenem Business und glücklicher Familie – klingt perfekt. Zu alledem hat Demenge noch den beneidenswert unangestrengten Look einer Pariserin. Aber ihr Leben erfüllt keine Klischees. Im Interview verrät sie uns, warum Bolivien sie erdet, Erfolg nicht planbar ist – und, ganz nebenbei, auch das Geheimnis ihres Teints.

Luna: Wie fing das alles an mit Oeuf?

Sophie Demenge: Als Designerpaar, dessen erstes Kind unterwegs war, kamen wir auf die Idee, eine Wiege zu entwerfen. Ein sehr persönliches Projekt, wir wollten unserem Baby ein kuscheliges Nest bereiten. Der Name „Oeuf “ (französisch für „Ei“) entstand so wie von selbst. Ich liebe das Wort, wie die Buchstaben zusammenstehen, den Klang und seine Einfachheit. Es steht für Stärke, Verletzlichkeit und Zartheit zugleich.

Zur Wiege gesellte sich schnell eine erfolgreiche Strickkollektion, die in Südamerika gefertigt wird. Erzählen Sie uns von Bolivien, wie kam es zur Kooperation mit einer Gemeinde dort?

Was mich bewegt, sind immer die Menschen, die ich treffe. Vor dreizehn Jahren, als meine Tochter Mae geboren wurde, hatte ich den Wunsch, ökologische und hochwertige Kin- derkleidung zu machen. Und dann traf ich diese Bolivianerin. Sie versuchte, Sachen aus Alpaka an Touristen zu verkaufen, um ihre Gemeinde zu unterstützen. Ich wollte helfen und meine Mini-Kollektion für Mae umsetzen. Wir haben mit vier Strickerinnen angefangen – die Qualitätskontrolle war ein Desaster. Stück für Stück sind wir zusammen gewachsen, jetzt sind es mehr als 400 Strickerinnen. Die ursprünglichen vier haben uns vor ein paar Jahren für eine Woche in Brooklyn besucht und waren die Stars im Büro. Es war wirklich cool.

Wie läuft es ab, wenn Sie nach Bolivien fahren, um eine neue Kollektion zu entwerfen?

Ich fahre mehrmals im Jahr. Wir arbeiten hart, lachen viel, naschen den ganzen Tag und gehen auf Abenteuertouren, um verlorene Alpakas in den Bergen zu suchen. Wenn ich dort bin, fühle ich mich dankbar, glücklich und frei. Mein Herz singt, ich bin inspiriert. Natürlich auch in Sachen Design, aber vor allem darin, mein besseres Selbst zu sein. Und da ist viel Raum für Verbesserung, sehr viel! Ich bewundere diese starken, lustigen, schwer arbeitenden Frauen, die ich seit vielen Jahren an meiner Seite habe. Es ist ein verrücktes Gefühl, wie Gänsehaut und Schmetterlinge im Bauch und gleichzeitig eine große Portion tiefer Ruhe – eine Mischung, die süchtig macht. Diese Menschen wissen, worauf es wirklich ankommt: Zugehörigkeit, Verbundenheit. Ich weiß es auch. Aber in Bolivien kann ich es spüren, ich kann es sehen, es ist überall. Jedes Mal halte ich dieses Gefühl so fest wie möglich und versuche, es heil nach Brooklyn zu bringen.

Was konnten Sie durch die Zusammenarbeit mit den Frauen bewegen?

Die Entscheidung, in Bolivien zu produzieren, gibt den Strickerinnen eine regelmäßige Arbeit zu einem Fair-Trade-Lohn. Die Frauen sind in selbstverantwortlichen Gruppen organisiert und zeitlich flexibel. So können sie Job und Familie miteinander vereinbaren. Ich weiß von meinen Aufenthalten vor Ort, dass die Kinder die Chance haben, zur Schule zu gehen – keine Selbstverständlichkeit. Auch ärztliche und zahnärztliche Versorgung sind Realität geworden. Das sind greifbare Vorteile, doch darüber hinaus profitiert das gesamte Umfeld.

Nachhaltigkeit und Verantwortung als Basis, kombiniert mit tollem Design: Woher kommt Ihr Verlangen nach Qualität, danach, die Dinge auf ihre Essenz zu reduzieren?

Ich wurde einfach so erzogen: Qualität statt Quantität – immer! Lieber eine echte Unterhaltung als Small Talk – und so weiter. Wer du bei der Arbeit bist, der bist du auch im Leben. Deine Werte fließen in alles ein, was du tust. In unserem Fall trifft das ganz besonders zu: Oeuf entspricht uns so sehr. Das ist wunderschön, aber auch manchmal schwierig. Wir können uns nicht auf Selbstgefälligkeit ausruhen.

Balance ist flüchtig. Das zu verstehen und damit mehr oder weniger im Frieden zu sein, ist bereits ein Riesenerfolg für mich. Unser Zuhause, die Schule und das Büro sind alle fußläufig voneinander entfernt, das ist enorm hilfreich. Und wir sorgen dafür, regelmäßig Zeit mit jedem Kind allein zu verbringen. Unser Sohn und unsere Tochter sind sehr offen, sie sagen, was sie brauchen, wollen und fühlen. Außerdem versuche ich, jeden Tag eine Stunde ganz für mich zu haben und etwas zu machen, auf das ich Lust habe – ohne Schuldgefühle. Das ist ein neues Arrangement, ich werde berichten, ob es funktioniert.

Wie schaffen Sie es als Mutter, mit Ihrem Business risikofreudig und kreativ zu bleiben?

Ich kann mir das nicht als Verdienst anrechnen, nicht mal erklären. Es hat etwas mit meiner Persönlichkeit zu tun, damit, wie ich mich ausdrücke. Ich schaue immer, wie ich die Punkte auf meine eigene Art und Weise verbinden kann. Mein Mann und Geschäftspartner Michael ist mein Anker, und ich habe ein gutes Netzwerk und Freunde, die an mich glauben. Meine Kinder sind auch tolle Cheerleader! Ich fühle mich unterstützt, egal was passiert. Das macht es einfach, Risiken einzugehen.

Welche Projekte beschäftigen Sie gerade, was planen Sie für die Zukunft?

Das kommt darauf an, wen ich treffe! Vor drei Jahren habe ich die Babyausstattung aus ökologischer Pima-Baumwolle entwickelt, weil ich unbedingt mit den Frauen zusammenarbeiten wollte, die ich in Peru getroffen habe. Ich hatte nicht geplant, eine Babykollektion zu entwickeln, aber jetzt bin ich sehr glücklich darüber. Als Nächstes werde ich Bettwäsche produzieren – es macht einfach Spaß!

Und was wünschen Sie sich privat?

Reisen ist superwichtig für uns. Wir haben die Kinder von klein auf an alle möglichen Orte dieser Welt geschleppt. Über Weihnachten waren wir in Myanmar. Es war großartig, wie eine Zeitreise. Es erweitert unseren Horizont, zu sehen, wie andere Menschen leben, hilft uns, demütig und neugierig zu bleiben.
Ein anderes wichtiges Thema ist gesunde Ernährung. Wir schätzen uns glücklich, eine Bio-Kooperative in der Nähe zu haben, in der alle Mitglieder einmal im Monat einige Stunden arbeiten. Wenn ich dort Trucks entlade, Regale einräume oder Gemüse sortiere, treffe ich auf die faszinierendsten Menschen.

Das hört sich nach einem erfüllten Leben an! Bitte erzählen Sie uns doch etwas über Ihren Alltag, was Sie mögen, wie Sie auftanken – und warum Sie eine so tolle Haut haben.

Ich gehe gerne früh ins Bett und lese ein gutes Buch oder schaue mir eine Dokumentation an. Ich bin süchtig nach TED-Talks, die kann ich mir stundenlang anhören! Ich fühle mich viel glücklicher, ruhiger und konzentrierter, wenn ich Sport mache und gesund esse. Ich trage an praktisch jedem Tag im Jahr Jeans und „Eau d’Hadrien“ von Annick Goutal. Ich mag es, mit Freunden auf der Veranda unseres Hauses Champagner zu trinken und morgens mit meinen Kindern in der Küche zu tanzen. Beauty-Tipps? Mmh, ich habe keine erschütternden Neuigkeiten, fürchte ich. Jeden Abend gründlich abschminken, jeden Morgen Sonnenschutz auftragen – das ganze Jahr über.

Interview: Sonja Seifert

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